April 10, 2021

1 Jahr nach Hanau

Vor genau einem Jahr fand in Hanau ein rassistischer Mord an 9 Jugendlichen statt. Es ist genau ein Jahr seit diesem Massaker vergangen und von einer Aufklärung oder Fortschritten kann nicht die Rede sein. Wir erinnern uns, als vor einem Jahr die Schüsse fielen berichteten die Medien zunächst einmal von den psychischen Schwierigkeiten des Täters. Von Rassismus war nicht die Rede.

Auch im Anschluss wurde vonseiten der Politiker:innen heuchlerisches Bedauern bekundet und die Tat wurde zutiefst verurteilt. Wir können diesen Aussagen jedoch keinen Glauben schenken, denn wir sehen die Realität: Wir sehen, wie der Staat und seine Regierung keinerlei Anstalten machen rassistisch motivierte Taten aufzuklären. Wir sehen auch, dass sie sogar aktiv versuchen diese zu vertuschen. Mit den Worten wie „Clankriminalität“ versuchen sie den systematischen Rassismus in Deutschland zu verharmlosen. Sie trauen sich nicht einmal eine Studie bezüglich des Rassismus innerhalb der Polizei zu veröffentlichen.

Hanau war ohne Zweifel ein geplanter und faschistischer Mord an 9 Menschen. All diese Menschen hatten einen Migrationshintergrund und der Täter wählte ganz bewusst eine Shisha Bar aus. In den Medien wird darüber berichtet, dass er krank gewesen sei und verwirrt. Diese Aussagen werden jedoch ganz bewusst getätigt. Die Parallelen zu NSU sind erschreckend. Dort wurde zunächst behauptet, die Familien seien kriminell gewesen. Es wurden Akten und Beweise vernichtet nur um zu vertuschen, dass hier ein organisiertes und rassistisches Verbrechen ausgeübt wurde. Wir wissen alle: der NSU war nicht zu dritt. Genauso wie Hanau auch nicht alleine von dem Täter ausgeübt wurde.

Die Angehörigen der Opfer schwiegen jedoch nicht. Sie gründeten gemeinsam die Initiative 19. Februar, um die Aufklärung eigenständig in die Hand zu nehmen. Sie berichteten darüber, wie ihnen Türen geschlossen wurden und Informationen vonseiten der Behörden verweigert wurden. Fragen, wieso die Polizei an diesem Abend unterbesetzt war und der Notruf somit mehrere Male nicht entgegengenommen oder weitergeleitet werden konnte bleiben offen. Wieso konnte der Täter Waffen besitzen, obwohl er den Behörden bekannt war?

Diese offenen Fragen bleiben bisher ungeklärt und auch insgesamt ist vonseiten des deutschen Staates kein ernstzunehmender Schritt in Richtung Antirassismus gemacht worden. Weiterhin bewaffnen sich rechte Organisationen, vernetzen sich innerhalb staatlicher Behörden und verüben rassistische Morde aus. Nazis innerhalb der Polizei und der Bundeswehr gehören hier schon zur Tagesordnung. Mit einer Suspendierung wird leider kein systematischer Rassismus bekämpft. Der deutsche Staat lässt unter dem Deckmantel freie Meinungsäußerung Parteien wie die AfD zu, die offensichtlich eine rassistische, faschistische und menschenverachtende Ideologie verbreitet. Der Staat füttert damit nur den wachsenden Rassismus überall. Faschismus bedeutet die Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, ihrer Religion oder Kultur gegeneinander aufzuhetzen. Ganz besonders in Krisenzeiten und Zeiten von großer Unzufriedenheit wird der Faschismus immer stärker. Genauso, wie der Hitlerfaschismus nach einer Krise 1929 entstehen konnte.

Auch heute stehen wir vor einer Pandemie, die immer tiefer werdende Probleme schafft. Diese sind der Nährboden für solche Ideologien, welche uns spalten und unsere Kraft brechen sollen. Wir leben in einem System, welches Rassismus nicht bekämpft und sogar aktiv schützt. Aus diesem Grund können wir weder von diesem Staat noch seinen Institutionen irgendetwas erwarten. Die Verantwortung dafür, dass Hanau die Endstation war liegt bei uns. Nur gemeinsam und vereint können wir Veränderungen schaffen, denn erinnern heißt kämpfen.

In Gedenken an:

Ferhat Unvar

Gökhan Gültekin

Hamza Kurtović

Said Nessar Hashemi

Mercedes Kierpacz

Sedat Gürbüz

Kaloyan Velkov

Fatih Saraçoğlu

Vili Viorel Păun

 

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