Dezember 8, 2021

137 Jahre Kongo-Konferenz

An diesem Tag vor 137 Jahren begann die sogenannte „Kongo-Konferenz“ oder „Berliner Konferenz“. Auf Einladung des deutschen Reichskanzlers Otto von Bismarcks hin, nahmen Vertreter der USA, des Osmanischen Reiches, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen daran teil. 

Der Konferenz vorausgegangen war der „Wettlauf um Afrika“. Nachdem der Kontinent mit der Erforschung des Kongobeckens 1877 komplett kartografiert war, besetzten und unterwarfen verschiedene Kolonialmächte weitere Teile Afrikas. Das Ziel der Konferenz war diese, aber auch zukünftige Eroberungen völkerrechtlich abzusichern. 

Folgen

Der gesamte Kontinent wurde innerhalb von 30 Jahren unterworfen, denn das entstandene „Regelwerk“ befeuerte den bereits andauernden „Wettlauf um Afrika“ und läutete die Ära des Imperialismus ein. Das bedeutete, dass die Stellung als Großmacht und Kolonialmacht gefestigt und ausgebaut, neue Rohstoffquellen und Absatzmärkte erschlossen werden sollten. Der starke Nationalismus und der angebliche Zwang zur Vergrößerung des eigenen Territoriums führten zu Kämpfen der Kolonialmächte um die verbliebenen „freien“ Territorien. Dadurch entstand eine Aufrüstungs- und Gewaltspirale, die schließlich im 1. Weltkrieg mit seinen verheerenden Folgen endete.

Obwohl viele Staaten nach dem 2. Weltkrieg ihre Unabhängigkeit erlangten, kann schwer von unabhängigen und selbstbestimmten Nationen die Rede sein. Denn die ehemaligen Kolonialmächte halten die „souveränen“ Staaten in neokolonialen Abhängigkeiten. Das bedeutet, dass ehemalige Kolonien auch heute noch von ihren früheren Unterdrückern ausgebeutet werden. Dies wird im Gegensatz zum Kolonialismus nicht mehr durch reine Waffengewalt durchgesetzt. Stattdessen werden deutlich subtilere Methoden angewendet: Durch Schulden, „Entwicklungshilfen“, das Gewähren oder Nichtgewähren von Krediten, setzen reiche Nationen ihr Interesse gegenüber ärmeren Nationen durch. Scheinbar neutrale und internationale Institutionen, wie der Internationale Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation, sowie lokale Marionettenregierungen helfen bei der Interessensdurchsetzung. Zusätzlich werden innenpolitische Konflikte, die auf die willkürlichen Grenzziehungen ohne Berücksichtigung der lokalen Bevölkerung zurückzuführen ist, unterstützt. Die daraus folgende Destabilisierung von Regionen und Unterstützung verschiedener Konfliktparteien ist ebenfalls ein beliebtes Mittel, um unliebsame (linke) Gegner auszuschalten und neokoloniale Interessen durchzusetzen. Insgesamt entstehen für betroffene Nationen viele Nachteile: Es werden Handelsabkommen zum klaren Nachteil ärmerer Länder durchgesetzt, die Ausbeutung und Zerstörung der Natur vorangetrieben und Arbeits- und Menschenrechte stark beschnitten.

Welche Lehren müssen daraus gezogen werden?

Das Ergebnis der Befreiungskämpfe der unterdrückten Nationen hat zwar zu einer formellen Unabhängigkeit geführt, die aber keiner wirtschaftlichen und politischen Souveränität entspricht. Daher müssen aktuelle und künftige Befreiungskämpfe auch einen antikapitalistischen Charakter haben. Denn nur die Überwindung des kapitalistischen Systems führt zu einer wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit. Zusätzlich hat die Geschichte wiederholt gezeigt, dass einzelne sozialistische Staaten einen schweren Standpunkt in einem kapitalistischen Umfeld haben. Daher müssen Befreiungskämpfe auch immer international gedacht und erfolgreicher antikapitalistischer Widerstand in andere Regionen exportiert werden.

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