September 28, 2022

9. Juni 2004 – Nagelbombenanschlag an der Keupstraße

Am 9. Juni 2004 kam es in der Kölner Keupstraße zu einem Anschlag des rechtsterroristischen NSU (Nationalsozialistischer Untergrund). Hierbei wurde eine Nagelbombe per Fernzünder vor einem Friseursalon in der Keupstraße Köln-Mühlheim gezündet, wodurch es neben einem erheblichen Schaden bei den parkenden Autos und den umliegenden Geschäften zu 22 Verletzten (davon 4 schwerverletzt) kam. 

Die Bombe bestand aus einer Butan-Gasflasche, die mit 5,5 kg Schwarzpulver und circa 800 Zimmermannsnägeln (Länge 10 cm) gefüllt in einem Koffer auf dem Gepäckträger eines Fahrrads versteckt wurde. Gezündet wurde die Bombe, als gerade zwei südländisch aussehende Männer an dem Fahrrad vorbeigingen.

Auch wenn diese Tat ein klar rassistisches Motiv besaß, wurde zuerst über einen vermeintlichen Anschlag der PKK (Arbeiterpartei Kurdistan) spekuliert oder über einen Racheakt, der sich im Rahmen von Drogenkriminalität, Familienstreitigkeiten und Mafia abgespielt haben soll. Die Opfer des Anschlags wurden also zu Tätern erklärt. Hierbei wurde fast ausschließlich in diese Richtung ermittelt, da die Polizei ein rassistisches Motiv schnell ausschloss. Dies fand auch durch die beiden Innenminister Fritz Behrens und Otto Schily (beide SPD) zu Beginn der Ermittlungen Bestätigung und erhielt in der diskriminierenden Berichterstattung ebenfalls eine Plattform. Nachdem diese Überlegungen aber abgetan wurden, zog man erstmals die rechtsterroristische Organisation Combat 18 in Betracht, die auch für Bombenanschläge in London im Jahr 1999 verantwortlich war. Dieser Theorie wurde aber schnell verworfen und man versuchte im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit weiterhin glaubhaft zu machen, dass keine rechten Motive vorliegen. 

Erst nach dem Bekennervideo von Beate Zschäpe 2011 war für die Politik eindeutig, dass der NSU hinter dem Anschlag steckt. Im Jahr 2014, also 10 Jahre nach dem Anschlag, begann NRW erstmals mit der Aufarbeitung des Anschlags und setzte einen Untersuchungsausschuss für die Ermittlungen ein. Noch heute kämpft die Initiative „Herkesin Meydanı — Platz für Alle“ für ein Mahnmal an der Keupstraße und erinnert an den rassistischen Anschlag. Gleichzeitig macht sie auf weitere Verbrechen aufmerksam und fordert konsequente Aufklärung sowie politische Maßnahmen, denn der strukturelle Rassismus und die staatliche Weigerung, gegen rechten Terror vorzugehen, macht organisierten Druck von unten notwendig.

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