April 10, 2021

Anschläge in Schule und Uni – die Lage in Afghanistan

Innerhalb von nur zehn Tagen verübten Terroristen zwei Anschläge in Afghanistans Hauptstadt Kabul. Der erste fand in einer Schule statt, der zweite in der Universität Kabul. Die Terroristen töteten dabei 50 Menschen und verletzten fast 100.

Gewalt und Armut

Verantwortlich für diese vielfachen Morde an Zivilist*innen ist wahrscheinlich der IS, der sich zu beiden Anschlägen bekannte. Die Terrormiliz versucht seit 2015 in Afghanistan Einfluss zu gewinnen und wie in Syrien und dem Irak Gebiete zu besetzen. Bisher noch viel einflussreicher sind die Taliban, die ganze Regionen unter ihrer Kontrolle haben. Beide Organisationen setzen Terror gegen den afghanischen Staat und Zivilist*innen ein, um ihre Interessen durchzusetzen. Doch auch durch Luftangriffe des afghanischen Militärs sind zahlreiche Zivilist*innen ums Leben gekommen. Allein 2020 wurden 2.000 Zivilist*innen getötet und 3.900 verletzt.

Auch die soziale Lage im Land ist kritisch: Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von weniger als einem Dollar pro Tag und damit unter der Armutsgrenze. Die gesundheitliche Versorgung ist in großen Teilen des Landes sehr schlecht, sodass viele Menschen an heilbaren Krankheiten sterben.

Der Krieg der USA in Afghanistan seit 2001 hat stark zur kritischen Lage im Land beigetragen. Auch der deutsche Staat war an diesem Krieg beteiligt und es sind immer noch Bundeswehrsoldaten in Afghanistan im Einsatz.

Flucht als Ausweg?

Aufgrund dieser Lage sind über 1,2 Millionen Afghan*innen in ihrem eigenen Land auf der Flucht. Manche von ihnen versuchen nach Europa zu flüchten, um ein normales Leben führen zu können. Das ist allerdings nur wenigen möglich, weil solch eine Flucht tausende Euro kostet. Die Flucht ist auch gefährlich. Unter anderem liegt das daran, dass die EU hart gegen Geflüchtete vorgeht – man denke nur an die unsicheren, überfüllten Schlauchboote und Lager wie das in Moria.

Afghanische Geflüchtete, die es nach Europa schaffen, sind dann rassistischer Hetzte ausgesetzt, die von Politiker*innen und Medien kommt. Auch ihre rechtliche Lage ist oft sehr unsicher und ermöglicht ihnen kaum, ein normales Leben zu führen. Rassistisches Vorgehen der Polizei stellt ein zusätzliches Problem dar. Zahlreiche afghanische Geflüchtete werden vom deutschen Staat auch nach Afghanistan abgeschoben – obwohl das Land offensichtlich kein sicheres Herkunftsland ist.

Es muss nicht so bleiben

Diese für viele Menschen unerträgliche Lage in Afghanistan hat politische Ursachen. Deshalb ist auch eine bessere Zukunft möglich. Vor allem folgende Punkte wären dafür unumgänglich:

–  Das Beenden der Armut und das Ausrichten der Wirtschaft nach den Bedürfnissen der Bevölkerung.

–  Stärkung des Bildungswesens und Ausbau des Gesundheitssystems mit Zugang aller Menschen zu Bildung und Gesundheit.

–  Das Ende der Interventionen imperialistischer Staaten in Afghanistan. Abzug des Militärs der USA und des deutschen Staates.

–  Dem Terrorismus muss der Boden entzogen werden, auf dem er entstanden ist. Neben den genannten Punkten bedeutet das auch, dass Korruption und Geschäfte mit Taliban und IS, die sie finanziell am Leben halten, verhindert werden müssen.

 Damit diese Punkte umgesetzt werden, ist es nötig, dass sich die Bevölkerung Afghanistans organisiert und sich dafür einsetzt. Doch dieser Kampf für eine bessere Zukunft setzt eine internationale Bewegung voraus, da die imperialistische Einmischung das Land schwer belastet. Für die revolutionäre Bewegung in Deutschland bedeutet das, sich gegen das Vorhaben des deutschen Staates zu stellen, in Afghanistan eigene Interessen durchzusetzen.

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