Juli 14, 2024

Das deutsche Kapital freut sich über ukrainische Geflüchtete

Detlef Scheele, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, gab dem Tagesspiegel ein Interview, in dem er ankündigte, den Bedarf an billigen Arbeitskräften durch ukrainische Geflüchtete zu decken. „Demografie bedingt brauchen wir Zuwanderung, um den Fachkräftebedarf zu decken“, sagte Scheele. Dabei betont und lobt er, dass das Qualifikationsniveau der ukrainischen Bevölkerung im internationalen Vergleich hoch sei. 

Für Konzerne geht es nicht um Menschen, sondern um billige Arbeitskräfte, die sie nicht mehr herzlich willkommen heißen werden, wenn es für sie keinen Bedarf mehr gibt. 1960 wurden auch die damaligen „ausländischen“ Arbeiter:innen willkommen geheißen und mit Zügen abgeholt. Diese Willkommenskultur endete, nachdem der Bedarf an Arbeitskräften gedeckt war.

Die Großunternehmen in Deutschland freuen sich nicht nur über die Arbeitskräfte, die ein hohes Qualifikationsniveau haben. Das sieht man am Beispiel des Konzerns Tönnies, welcher mit seinen menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen für Schlagzeilen gesorgt hat. Der Fleischkonzern beschäftigt schon seit längerem überwiegend osteuropäische Menschen und beutet diese aus. Das Ganze erreichte vor kurzem ein neues Level, denn Tönnies ging sogar so weit, dass es die Not der ukrainischen Flüchtenden ausnutzte und schon an der polnisch-ukrainischen Grenze versuchte, diese als Produktionshelfer:innen anzuwerben. Für die Unterkünfte, die die Arbeiter:innen von Tönnies dann erhalten, müssen sie auch noch 254 Euro im Monat bezahlen, obwohl es sich dabei um heruntergekommene Sammelunterkünfte handelt.

Um verstärkte Ausbeutung und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen zu verhindern, kommt es nun darauf an, dass sich die zukünftigen ukrainischen Arbeiter:innen in Deutschland mit der lokalen Arbeiter:innenklasse gemeinsam organisieren, statt sich entlang der Qualifikationen spalten zu lassen. Gleichzeitig gilt es, die Dreistigkeit der Unternehmen aufzuzeigen, die von der Kriegssituation profitieren und Notleidende zum Runterdrücken der Löhne missbrauchen. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert