Dezember 6, 2022

Das Zuhause als Gefängnis: Corona und häusliche Gewalt 

Seitdem die Menschen weltweit im Lockdown leben, nimmt die Zahl von Übergriffen in den eigenen vier Wänden zu. Die Opfer sind überwiegend Frauen und ihre Kinder. Das eigene Zuhause, welches derzeit den sichersten Schutz vor dem Virus bieten soll, ist zugleich der Ort, der für Frauen und Kinder am gefährlichsten ist. 

Tatsächlich ist häusliche Gewalt noch ein großes Problem in Deutschland. Jede vierte Frau wird Opfer von Gewalt durch ihren Partner und allein 2018 sind 122 Frauen von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden. Das bedeutet auch, dass statistisch gesehen das eigene Zuhause für Frauen der gefährlichste Ort der Welt ist. 

Dennoch sind in vielen Frauenhäusern die Anfragen für ein Schutzzimmer nicht angestiegen. Doch gerade das ist beunruhigend, denn die Opfer finden momentanen Schätzungen zufolge nicht die Zeit sich bei Anlaufstellen zu melden. Frauenhäuser und Hilfsorganisationen befürchten, dass die Übergriffe deshalb angestiegen sind, weil Frauen aufgrund der Corona Ausgangsbeschränkungen viel öfter als sonst zuhause sind. Aktuelle Einschränkungen, wie z. B. Home-Office-Arbeiten oder der fehlende Kontakt zu Freunden und Familienangehörigen, tragen dazu bei, dass Konflikte eskalieren können. Dadurch entstehen öfter Stresssituationen und weil Aggressionen schwer abzubauen sind, kommt neues Wutpotenzial hinzu. Frauen, die vor der Corona-Krise zuhause Gewalt erfahren mussten, bekommen das in Zeiten wie diesen noch viel mehr zu spüren. 

Für jeden weiteren Monat im Lockdown ist eine prozentuale Steigerung der Gewaltdelikte von 20% zu erwarten, d. h. weltweit 15 Millionen Delikte mehr. Beratungsstellen, Frauenhäuser und die Polizei gehen auch weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus. Derzeit bleibt vieles in den Familien, dringt also nicht nach außen. Das bedeutet auch, dass solche Straftaten meist hinter verschlossenen Türen stattfinden und dass die Frauen den Tätern hilflos ausgeliefert sind. Beratungsstellen sind dann auch keine Hilfe und können nur schwer an Frauen rankommen, um sie in solchen Situationen zu unterstützen.

Seit Beginn der Lockerungen verzeichnen die Beratungsstellen jedoch wieder einen Anstieg an Frauen, die Hilfe suchen. Demnach steigt aber auch die Nachfrage nach persönlichen Treffen. Im Zuge der ersten Corona-Lockerungen wird nun das Ausmaß der Gewaltausbrüche sichtbar. 

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