April 10, 2021

Hungerlohn und überfüllte Zimmer – wie Erntearbeiter ausgebeutet werden

Jedes Jahr kommen 300.000 Erntearbeiter nach Deutschland. Sie schuften hier für die Profite der Kapitalisten. Als Gegenleistung werden sie mit fünf Leuten in ein Zimmer gestopft und bekommen oft nicht mal den Mindestlohn. Selbst während der Corona-Pandemie gibt es leider kaum Vorsichtsmaßnahmen, damit sich die Arbeiter nicht infizieren.

Dieses Problem ist international. Deswegen veröffentlichen wir hier die gemeinsame Erklärung zweier Organisationen: von der griechischen kommunistischen Organisation NAR (Neuer linker Strom) und von der albanischen Organizata Politike.

Wir schließen uns ihren Forderungen an und erklären uns solidarisch mit den Erntearbeitern. Auch in Deutschland gibt es momentan Bewegung: die Erntearbeiter in Bornheim streiken beispielsweise, weil ihnen der Lohn verwehrt wird.

Gemeinsame Erklärung von ΝΑΡ για την κομμουνιστική απελευθέρωσηund Organizata Politike:

Für die Erntearbeiter gibt es kein #wirbleibenzuhause.

Vereinter Kampf von Einheimischen, Migranten, Flüchtlingen für ein Leben mit Gesundheitsrechten!

Die Covid19-Pandemie hat die Zehntausenden Arbeitsmigranten sichtbar gemacht, die seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft arbeiten – in Griechenland und der EU. Sie hat das hässliche Gesicht der der brutalen Ausbeutung der Arbeiter aufgedeckt, die für wenige Monate ohne Arbeitsrechte und für Hungerlöhne arbeiten.

Damit die Supermärkte Westeuropas gefüllt werden, braucht es die günstigen Arbeiterhände Osteuropas. Während die Gesundheitskrise sich in voller Entwicklung befand, öffnete Deutschland die geschlossenen Grenzen, um Saisonarbeiter nach Deutschland zu holen – aus Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern durch eine Ausnahme vom Reiseverbot, damit die Spargelernte stattfinden kann. Bereits Anfang April starb ein rumänischer Saisonarbeiter, der im März nach Deutschland gekommen war. Dass er mit dem Coronavirus infiziert war, stellte sich erst bei einem Test nach seinem Tod heraus. Die gesundheitlichen Vorsichtsmaßnahmen für die Erntearbeiter werden fast nirgendwo eingehalten. Es ist ein Widerspruch, dass die armen Arbeiter ihre Länder mit einer geringen Corona-Verbreitung verlassen und sich in Flugzeuge und Busse drängen Richtung Länder, die eine doppelte, dreifachte oder fünffache Zahl von Toten pro Einwohner haben. Die „europäische Solidarität“ in der EU betraf sowieso nicht die unsichtbaren Erntearbeiter.

In Griechenland beginnt in dieser Zeit der Bedarf an Arbeitern und vor allem in Zentralmakedonien bei Thessaloniki, wo in den nächsten Wochen die Obsternte ansteht. Die Regierung hat ein Dekret herausgegeben: es erlaubt den Arbeitgebern, dreimonatige Aufenthaltsgenehmigungen herauszugeben. Und die griechische Regierung hat mit der albanischen Regierung die Einreise von 7.000 albanischen Arbeitern beschlossen. Die Agrarindustrie und lokale Produzenten zögern nicht, das als Freibrief zu nutzen, um den Lohn weiter zu senken – auch bei den Flüchtlingen aus den Flüchtlingsheimen der Umgebung.

Die gleichen, die eine führende Rolle gespielt haben bei den rassistischen Kampagnen gegen die Einstellung von Flüchtlingen, der gleiche Staat, der die Flüchtlinge in unannehmbare Lebensbedingungen drängt mit minimaler Gesundheitsversorgung, fordert jetzt von ihnen, dass sie für schlechten Lohn arbeiten, weil das das Interesse des Kapitals ist. Es wird nicht über die Gefahr gesprochen, dass sich der Virus ausbreitet – weder was die Migranten aus Albanien angeht noch bei den Flüchtlingen. Das deckt die absolute Heuchelei auf von Regierung und dem Gesundheitsausschuss. Ein weiteres Mal zeigt sich die Notwendigkeit von Tests, da jeder Arbeiter mindestens getestet werden müsste, bevor er die Arbeit beginnt. Aber bis jetzt kostet der Test mindestens 75 Euro. Selbst der grundlegende Gesundheitsschutz wird zum Spiel der Verhandlung zwischen Regierung und Arbeitgeber.

Im Gegenteil: Der Staat und das große Agrarkapital gibt keine Lohnanreize, sichere Unterbringung und Gesundheitsversorgung und versucht, die unsichersten und billigsten Lösungen zu finden. Dem Staat sind die Bedürfnisse der Kleinbauern egal, die außerdem allmählich verschwinden, weil sich die landwirtschaftliche Produktion sich in wenigen Händen konzentriert. Dieser Trend wird sich beschleunigen nach der Pandemie und der folgenden Krise. Die Bauern haben sogar das Embargo der EU gegen Russland verletzt. Währenddessen führt die gemeinsame Agrarpolitik der EU zur Kontrolle der Produktion durch eine Handvoll Kapitalisten in Griechenland und Agrarkolosse internationalen Levels.

Migranten, Flüchtlinge und arme Bauern haben nichts zwischen ihnen, was sie trennt. Ihr gemeinsamer Feind sind die Agrarindustrie, die Nahrungsindustrie, die EU.
Gemeinsamer Kampf für:

– Volle Arbeitsrechte und Erhöhung der Löhne der Arbeiter, sichere Unterbringung, Gesundheitsversorgung.

– Sofortige Begleichung des ausgebliebenen Einkommens der armen Bauern, die von der Pandemie getroffen werden im Gegensatz zur Agrar- und Nahrungsindustrie.

– Landwirtschaftliche Produktion und Produkte für die Bedürfnisse des Volkes und nicht für den kapitalistischen Profit.

Damit sich der Weg öffnet für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung in vollkommener Harmonie mit der Natur.

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