Juli 17, 2024

Jemen – die größte humanitäre Krise unserer Zeit

Der 19. August ist der Welttag der humanitären Hilfe. Die Bundesrepublik Deutschland fördert seit Jahren die größte humanitäre Krise unserer Zeit.

Seit Jahrzehnten herrscht ein Konflikt zwischen Iran und Saudi Arabien. Doch diese Staaten bekriegen sich außerhalb ihres Territoriums, in sogenannten peripheren Konflikten – unter anderem im Jemen.

Ali Abdullah Saleh regierte die Republik Jemen seit 1990. Er gehört einer schiitischen Minderheit an. Während des Arabischen Frühlings musste er zurücktreten und der sunnitische Abed Rabbo Mansur Hadi trat ins Amt.  Die amtierende sunnitische Regierung des Jemens ist Verbündete Saudi Arabiens. Den Gegenpol dazu bilden die schiitischen Huthi-Rebellen, die eng mit dem Iran zusammenarbeiten. 

2014 sollen die Huthi-Rebellen den Norden Jemens gestürmt und die Regierung ins Exil gezwungen haben. Im selben Jahr hätten die Rebellen eine Rakete auf die Hauptstadt Saudi Arabiens gefeuert. Saudi Arabien vermutete, dass der Iran dahinter steckt. 2017 bildete Saudi Arabien eine Militärallianz aus 10 sunnitischen Ländern, die gegen die Rebellen kämpft. Die Militärallianz wird gefördert von den USA, Frankreich und Großbritannien. Sie unterstützen diese Allianz logistisch und wirtschaftlich durch ihren Waffenexport

Die Union und SPD haben sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, keinen Export an Länder zu genehmigen, die „unmittelbar am Jemen-Krieg beteiligt sind“.  Für Saudi Arabien wird das erst seit dem Mord des saudischen Journalisten im Oktober 2018 umgesetzt. Andere Mitglieder der Militärkoalition, wie die Vereinigten Emirate werden dennoch weiterhin mit deutschen Waffen versorgt.

Ali Abdullah Saleh kämpft selbst gegen die schiitischen Huthi-Rebellen. Deshalb ist es wichtig anzuerkennen, dass das kein Konflikt zwischen zwei islamischen Konfessionen ist. Die Religion wird lediglich instrumentalisiert, um die Interessen der einzelnen Großmächte durchzusetzen. Der Iran und Saudi Arabien konkurrieren seit Jahren um Erdöl. Ihnen geht es vor allem um die strategische, wirtschaftliche und politische Machtstellung Südwestasiens. Im umkämpften Norden des Jemens befindet sich eines der größten Erdölvorkommen der arabischen Halbinsel.

Die Folgen des Krieges

80% der 30 Mio. Einwohner*innen sind laut UN-Statistik auf humanitäre Unterstützung angewiesen. Circa 2 Mio. Kinder unter 5 Jahren sind unterernährt. Insgesamt leidet mehr als die Hälfte der jemenitischen Bevölkerung unter Hungersnot.

Der Krieg bildete für die schlimmste Cholera-Epidemie aller Zeiten den besten Nährboden. Es werden pro Tag 2.500 Fälle vermutet und mehr als 3.000 Menschen sind bereits daran gestorben. Nun hat auch das CoronaVirus die Republik erreicht. 244 Infizierte und 50 Tote wurden bisher verzeichnet. Da es aber keinen Zugang zu Tests gibt, ist die Dunkelziffer viel höher. Seit Mai 2020 gibt es pro Tag 70 Bestattungen mehr, als vor dem Ausbruch des CoronaVirus. 

Mehr als die Hälfte der medizinischen Einrichtungen im Jemen wurden durch den Krieg zerstört und sind nicht mehr betriebsfähig. Corona-Infizierte werden in den wenigen intakten Krankenhäusern trotzdem nicht aufgenommen, weil das Personal nicht genug ausgestattet ist, um sich selbst und somit andere zu schützen.

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