April 10, 2021

Polizeigewalt – Studie der Uni Bochum

Seit zwei Jahren beschäftigen sich Kriminologen der Ruhr-Universität Bochum mit rechtswidriger Polizeigewalt. Für diese Studie wurden mehr als 3300 Betroffene nach ihren Erfahrungen gefragt und 63 Experten Interviews geführt.

Innerhalb der Studie wird auch zum ersten Mal ausführlich Rassismus bei der Polizei aus Perspektive der Betroffenen beleuchtet. Denn obwohl das Innenministerium und auch die Polizei selbst Rassismus als strukturelles Problem innerhalb der Behörde verneinen, weist die Studie auf das Gegenteil hin. Ebenso wie diverse rechtsradikale Chat-Gruppen innerhalb der Polizei, die kürzlich aufgedeckt wurden.

Ein Ergebnis der Studie zeigt, dass People of Colour (PoC) und Menschen mit Migrationshintergrund häufiger von der Polizei diskriminiert werden als weiße Menschen. So werden sie beispielsweise öfter bei sogenannten verdachtsunabhängigen Personenkontrollen kontrolliert. Auch fühlen sich PoC und Menschen mit Migrationshintergrund, die Opfer von Polizeigewalt wurden, oft besonders hilflos. Einige PoC berichteten, dass teils die Behandlung durch die Polizei zu einer Eskalation der Gewalt geführt habe. „Einfach weil ich schwarze Hautfarbe habe und gefragt habe, warum ich so respektlos behandelt werde“, lautet die Aussage eines Betroffenen.

Laila Abdul-Rahman, eine Mitarbeiterin der Studie, kommt zu dem Schluss, dass man längst nicht mehr von Einzelfällen sprechen könne: „Dafür sind es einfach zu viele. Und wir sehen eben diese strukturellen Abläufe. Und wir sehen auch typische Eskalationen, Verläufe, die immer wieder vorkommen in bestimmten Situationen.“

Auch der ebenfalls an der Studie beteiligte Prof. Dr. Singelnstein bestätigt, dass es sich nicht nur um ein Problem seitens einzelner Polizeibeamten handelt:

„Sondern, dass es sich vermutlich auch um ein strukturelles Problem der polizeilichen Praxis handelt. Strukturelles Problem meint nicht, dass jetzt die Polizei in Gänze unterschiedslos davon betroffen wäre oder das die Polizei gezielt so handeln würde. Sondern es meint, dass es eben kein Zufall ist, dass sich solche Dinge wie Erfahrungswissen und Stereotype in der Polizei wiederfinden.“ 

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