Dezember 8, 2021

Rassistischer Anschlag – Polizei gibt Tätern Sprengstoff zurück 


Am 10. Juni 2020 verübten in Einbeck zwei militante Rechte einen Anschlag auf die Haustür einer antifaschistisch engagierten Frau. Die in Deutschland illegalen Sprengkörper wurden vorher von der Polizei beschlagnahmt, laut Polizei aber „aus Versehen“ wieder an die rechtsgesinnten Männer zurückgegeben. 

Um 3:50 Uhr morgens sprengten die Männer den Briefkasten. Die Sprengkraft war so massiv, dass die Trümmer bis in den Wohnbereich flogen. Kurz darauf klingelte die Polizei bei der Betroffenen, verschwieg allerdings, dass diese Sprengkörper vor kurzem sichergestellt, dann aber wieder zurückgegeben wurden. Ebenfalls nicht mitgeteilt wurde, dass es sich bei den Tätern um Rechtsextreme handle. Eine Pressemitteilung gab die Polizei auch nicht heraus. Da einer der Täter sich bei dem Anschlag selber verletzte, konnte die Polizei die beiden Männer noch am selben Abend fassen. 

„Für mich ist nicht nachvollziehbar, wie so etwas passieren konnte, gerade weil einer der Verdächtigen von den niedersächsischen Sicherheitsbehörden als Gefährder rechts eingestuft wird“, sagte die Betroffene des Anschlags in einem Interview mit der taz. Die Polizei stellte die illegalen Sprengkörper bei einer früheren Hausdurchsuchung sicher, allerdings ließen sich die Beamten angeblich davon überzeugen, dass die Sprengkörper in Deutschland legal seien, da sich auf ihnen ein Aufkleber mit der Aufschrift „ab 18 Jahren frei verkäuflich“ befand. Mittlerweile sitzen die Täter in Untersuchungshaft.

Folgend auf den Anschlag plante die lokale antifaschistische Bewegung am 27. Juni einen Protest unter dem Motto: „Kein Raum für rechte Gewalt in Einbeck“. Die Polizei Northeim ermittelt nun allerdings gegen die Initiatoren des Protest, weil ein Slogan („Einbecker Nazistrukturen angreifen!“) in der Online-Ankündigung ein öffentlicher Aufruf zu Straftaten sei. Rechtsanwalt Kahlen kommentierte gegenüber der taz: „Die Northeimer Polizei kriminalisiert hier einmal mehr leichtfertig antifaschistisches Engagement – das Einbeck leider bitter nötig hat.“ 



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