Juli 18, 2024

Sudan – Hunger, Tod und Krieg

Seit über einem Jahr breitet sich die humanitäre Katastrophe im Sudan immer weiter aus, unter der Aufsicht und Billigung der Imperialistischen Mächte dieser Welt. Seit über einem Jahr beherrschen die gewalttätigen Ausschreitungen zwischen den Rapid Support Forces (RSF) und den von der De-Facto-Militärregierung Abdel Fattah al-Burhans kontrollierten Sudanese Armed Forces (SAF) das Geschehen im Sudan. Die Ausschreitungen und Machtkämpfe zwischen den zwei Gruppen haben sich auf das ganze Land ausgeweitet und seit April 2023 mehr als 16.000 Menschenleben gekostet. Fast 10 Millionen Menschen mussten derweil aufgrund von Gewalt und kriegerischen Auseinandersetzungen fliehen. Über die Hälfte der sudanesischen Bevölkerung, ca. 25 Millionen Menschen, sind drauf und dran in eine der größten Flüchtlings- und Hungerkatastrophen der Welt zu geraten.

Die RSF sind eine paramilitärische Miliz, die von Omar al-Baschir, dem bis zum Putsch im Jahr 2019 Diktator Sudans, ins Leben gerufen wurde, um Dissidenten und Stimmen gegen seine Führung auszuschalten. Diese werden seit jeher von Mohammed Hamdan Daglo, auch „Hemeti“ genannt, angeführt. Vergangene Woche führten sie einen weiteren Angriff aus, um diese Situation weiter zu verschärfen. Sie griffen ein Dorf im Gebiet Al-Dschazira an und ermordeten dabei mehr als 100 Menschen, darunter mindestens 35 Kinder. Diese Angriffe führen sie explizit in dieser Region aus, um die Menschen dort weiter in den Hunger zu treiben. 

Der Bundesstaat Al-Dschazira gilt als Brotkorb Sudans. Sie sorgen mit den Angriffen dafür, dass sich die Menschen dort weiter ihrer Herrschaft unterwerfen und dass sich die Männer durch den Wegfall von Einkommen dazu entscheiden müssen als Söldner an ihrer Seite zu kämpfen. Die RSF erweitern ihre Macht auch, indem sie sich beim Goldhandel und -schmuggel und der damit einhergehenden Ausbeutung der Zivilbevölkerung beteiligen. Sie sind darüber hinaus nicht nur bekannt für Tod und Hunger, sondern auch für ihren überaus unmenschlichen Umgang mit der Bevölkerung der Regionen, über die sie Macht ausüben und die sie angreifen. Berichten von Überlebenden zu Folge sind Vergewaltigungen und Gewalt jeglicher Art an der Tagesordnung und gehören zu ihrer Form der Kriegsführung. 

Dabei werden sie von diversen internationalen Kräften wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Äthiopien und bis vor kurzem Russland unterstützt, die durch die RSF ihre imperialistischen Interessen vertreten gesehen haben. Die USA haben, wie bei fast jedem Konflikt, der von den imperialistischen Großmächten gebilligt und unterstützt wird, ihre Hände auf beiden Seiten im Spiel; zum einem bei den RSF-Truppen durch die VAE und ebenfalls bei den SAF über die Unterstützung durch Ägypten.

Die SAF wiederum bilden seit dem Volksaufstand im Jahr 2019, der zur Absetzung des Diktators Omar al-Baschir geführt hat, und ihrem darauffolgenden Putsch gegen die neu gebildete Übergangsregierung, die alleinige Regierung und befinden sich in ständigen Machtkämpfen, deren verschiedenen Seiten vom internationalen Kapital beeinflusst sind. Die SAF werden von Ägypten, den USA und Saudi-Arabien unterstützt. Israel hatte sich schon vor dem Volksaufstand mit dem Sudan zur „Normalisierung“ der Beziehungen geeinigt und steht seitdem ebenfalls auf der Seite der Militärregierung und unterstützt diese. Der chinesische Einfluss in Afrika lässt sich auch klar erkennen. China unterstützte schon seit seiner Machtübernahme Omar al-Baschir und seine „Nationale Kongresspartei“, die nichts anderes als die reaktionäre Muslimbruderschaft darstellt, die eine Vertreterin der Kapitalistenklasse ist.

Es ist also deutlich zu sehen, dass ein Land wie der Sudan, das reich an Ressourcen und Arbeitskraft ist, von den Imperialisten dieser Erde ins Visier genommen wird. Durch die Unterstützung der einen oder anderen Seite werden die Machtverhältnisse zerstört, um die Situation für die eigenen Interessen auszunutzen. Trotz der Machtkämpfe der verschiedenen Parteien ist es jedoch eine Tatsache, dass beide zur Mittäterschaft des gestürzten Diktators al-Baschir gehörten.

Die humanitäre Krise im Land verschärft sich von Tag zu Tag und die Hoffnungen der lohnabhängigen Bevölkerung auf eine Zukunft schwinden allmählich. Die von unter anderem Saudi-Arabien, den Vereinigten Staaten, Ägypten usw. geführten Vermittlungsgespräche brachten weiterhin keine Ergebnisse hervor. Auch bewegt sich die Katastrophe im Sudan im Schatten des Genozids in Gaza. Während sich die Aufmerksamkeit der Welt auf den Gazastreifen richtet, wo Israel einen beispiellosen Völkermord begeht, ist die schwere humanitäre Krise im Sudan, die eine ganz andere Dimension hat, bereits ein Jahr alt und entwickelt sich in eine immer drastischere Richtung. Die Verantwortlichen für diese humanitäre Katastrophe im Sudan sind das internationale Kapital und seine nationalen Kollaborateure. Solange kein organisierter und entschlossener Kampf gegen diese Ausbeutung und Unterdrückung geführt wird, wird es nicht möglich sein, sie zu verhindern. Das Versagen der Volksbewegung, die den Diktator al-Baschir gestürzt hat, eine Alternative zur Macht zu schaffen, hat diese tragischen Folgen für die sudanesische Bevölkerung begünstigt.

Um sowohl dem Imperialismus als auch den einheimischen Kollaborateuren ein Ende zu setzen und somit diese humanitäre Katastrophe zu verhindern, die Millionen von Menschen das Leben kosten kann, müssen sich das sudanesische Volk, die Arbeiter:innen und Werktätigen wieder erheben und den Kampf aufnehmen. Einer der wichtigsten Faktoren dabei werden die internationale Solidarität, besonders der revolutionären Kräfte dieser Erde, und der vereinigende Kampfgeist der Völker der Region sein.