April 10, 2021

Vor 101 Jahren: Wie die Abeiter:innenklasse den Kapp-Putsch besiegte

Vor 101 Jahren putschten Teile des Militärs und wollten eine Militärdiktatur errichten. Doch das schafften sie nicht – denn die Arbeiter:innenklasse stellte sich dagegen. Über den Putsch berichteten wir am Samstag. Doch wie ging es weiter?

Direkt nach dem Putsch rief der Gewerkschaftsverband einen Generalstreik aus. Das heißt, dass niemand mehr zur Arbeit gehen sollte. Millionen Arbeiter:innen folgten dem Aufruf und legten damit das ganze Land still. So konnten die Putschisten nicht wirklich regieren und hatten kaum Möglichkeiten zu handeln, unter anderem weil die Bahn weitgehend stillgelegt war und die Truppen sich nur schwer fortbewegen konnten.

Aber die Arbeiter:innen beließen es nicht beim Streik. Denn die Putschisten hatten gedroht, Streikende zu erschießen und sie wollten Städte und Regionen militärisch besetzen. Die Arbeiter:innenklasse hatte schon Erfahrung mit Gewalt im Dienste der Herrschenden: 1919 wurden viele Aufstände gegen die kapitalistische Ordnung niedergeschlagen, die linken Zeitungen wurden verboten und Streiks wurden für illegal erklärt. Sie wussten also, dass sie sich organisieren müssen, um sich vor den Putschisten zu schützen.

Deshalb organisierten die Arbeiter:innen in vielen Städten bewaffnete Verteidigungseinheiten. Vor allem im Ruhrgebiet entwickelte sich eine starke Bewegung. Dort entstand die Rote Ruhrarmee, die bis zu 50.000 Mitglieder hatte. Aber auch in Sachsen und Norddeutschland formierten sich Verteidigungseinheiten.

Um den Widerstand zu organisieren, wurden in den verschiedenen Orten Vertreter:innen gewählt. Die gehörten vor allem zu den Arbeiter:innenparteien, also zur Kommunistischen Partei, zur SPD und zu der USPD (eine linke Abspaltung der SPD).

An der Basis waren viele SPD-Mitglieder:innen aktiv. Denn die meisten von ihnen waren überzeugte Sozialist:innen – ganz im Gegensatz zu den Chefs der SPD. Diesen gefiel diese kämpferische Bewegung von unten überhaupt nicht. Denn die Führung hatte sich im Kapitalismus gut eingerichtet und wollte keine Veränderung.

Aber allein in diesen zwei Wochen des Widerstandes der Arbeiter:innenklasse politisierten sich viele Arbeiter:innen und es verstanden viele, wer wirklich an ihrer Seite steht: die Revolutionären – und nicht die SPD-Führung.

Mit der Zeit wurde klar, dass der Putsch sich nicht halten können würde. Und weil die SPD-Führung ihre Macht durch die revolutionäre Bewegung und die Parteien KPD und USPD gefährdet sah, wollte sie gegen alle Revolutionär:innen und Linken vorgehen. Und das tat sie auch mit aller Gewalt, als der Putsch zusammengebrochen war. Die SPD-Führung schickte das Militär ins Ruhrgebiet, um die Rote Ruhrarmee anzugreifen und die befreiten Gebiete militärisch zu besetzen.

Der Widerstand und die Rote Ruhrarmee waren zwar in den einzelnen Städten gut aufgestellt, aber es gab keine starke Zusammenarbeit zwischen den Städten. Das war ihre Schwäche, die die SPD-Regierung und das Militär ausnutzten. Außerdem startete die Regierung auch Verhandlungen, die eher als Ablenkungsmanöver dienten und nicht ernst gemeint waren.

Der Widerstand ging Stück für Stück zurück. Doch was dann kam, war schlimmer als der Putsch. Das Militär begann ein Massaker an Menschen, die sich am Widerstand beteiligt hatten – und auch an Unbeteiligten. So konnten sie viele wichtige Personen der Linken umbringen und die Menschen einschüchtern.

Die SPD-Regierung hatte zum Ende des Putsches die Chance, rechte Offiziere aus dem Militär rauszuschmeißen. Aber das tat die Regierung nicht. Sie stützte sich lieber weiter auf sie, um die Macht gegenüber der Arbeiter:innenklasse in der Hand zu haben. Deshalb gab es auch keine Strafen für die Putschisten. Die Regierung schickte sogar Einheiten zur militärischen Besetzung des Ruhrgebiets, die vorher den Putsch unterstützt hatten.

Der Kapp-Putsch war der erste Versuch der Rechten, die Macht gewaltsam zu ergreifen. Der zweite Versuch war der gescheiterte Hitlerputsch 1923. Und 1933 schafften sie es endgültig durch die Machtergreifung der Nazis.

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