Mai 19, 2022

Yusuf Yerkel ist unerwünscht

Vor 8 Jahren, am 14. März 2014, erlebte die Welt eines der größten Arbeiter:innenmassaker in einer Kohlemine der Stadt Soma in der Türkei. Bei diesem schrecklichen Massaker kamen 301 Arbeiter ums Leben und wurden bei lebendigem Leibe begraben. Nach der Katastrophe versuchten die Bosse der Bergbau- und Minenindustrie und ihre Handlanger, wie die Regierung und ihre Sprecher:innen, die Situation als „Arbeitsunfall“ oder „Naturkatastrophe“ zu bezeichnen. Präsident Erdoğan nahm kurz daraufhin Stellung und erklärte, dass so etwas normal sei und „in der Natur dieser Arbeit stecke“. 

Soma war weder ein Arbeitsunfall noch eine Naturkatastrophe. Es war ganz klar ein Arbeiter:innenmassaker. Die Täter dieses Massakers sind die unersättlichen Firmenbosse, welche keine Arbeitssicherheit und Gesundheitsversorgung ermöglichten und das Leben der Arbeiter:innen als unwichtig erachteten. Der Täter ist auch die Regierung, welche die Interessen der Herrschenden vertritt und als deren Handlanger dient. Mit jedem weiteren Schritt versuchten die Verantwortlichen das Massaker zu vertuschen, in Vergessenheit geraten zu lassen und die Täter zu schützen.

2015 begannen die Soma Prozesse, wodurch unter anderem Selçuk Kozağaçlı und weitere fortschrittlich-demokratische Anwält:innen festgenommen wurden. 6 Jahre später, nach zahlreichen heuchlerischen Ermittlungen, gibt es keine Festnahmen im Fall Soma. Die Mörder der 301 Minenarbeiter wurden alle freigelassen. Diejenigen, die die Mörder schützten, scheuten sich nicht, die Arbeiter:innen permanent zu bestrafen. Gegen die Protestierenden und die Angehörigen der Verstorbenen wurden ununterbrochen Ermittlungsverfahren eröffnet und sie erhielten zahlreiche Strafen. Die überlebenden und arbeitslosen Minenarbeiter warteten jahrelang auf eine Entschädigung. Die Minenarbeiter marschierten aus diesem Grund häufig nach Ankara, um ihren Protest kundzutun. Bei ihrer letzten Demonstration in Ankara verloren die Soma Arbeiter zwei ihrer kämpferischen Kollegen bei einem Autounfall.

Die Geschichte Somas ist das Produkt der korrupten und verfaulten reaktionär-faschistischen Regierung der Türkei. Erneut zeigte sich, dass die Kapitalisten, die Regierung, die Medien und das Justizsystem einzig und allein diesem System dienen. Bei einem Besuch des Präsidenten Tayyip Erdoğan in Soma trat der Berater Yusuf Yerkel einen protestierenden Minenarbeiter auf dem Boden und wurde nun im türkischen Konsulat in Frankfurt als Handelsattaché eingestellt. Dieser Arbeiter:innenfeind wurde mit keinerlei Maßnahmen bestraft, sondern im Gegenteil mit dieser Beförderung belohnt. Im Gegensatz dazu musste der getretene Arbeiter eine Gefängnis- und Geldstrafe hinnehmen. Dieser Verteidiger der reaktionär-faschistischen Regierung der Türkei Yusuf Yerkel wird nun mit einem Lohn von 6000 Euro und weiteren Privilegien belohnt. Viele Menschen und verschiedene Organisationen konnten gestern vor dem türkischen Konsulat in Frankfurt ein Zeichen dagegen setzen. Mit über 200 Teilnehmer:innen forderten sie die sofortige Entlassung Yusuf Yerkels. 

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