Februar 28, 2024

Nelson Mandela

Am 05.12.2003 starb Nelson Mandela, seine Ideen und sein Kampf leben jedoch bis heute. Er war eine führende Kraft im Kampf gegen das Apartheidsystem Südafrikas, das auf dem europäischen Kolonialismus in Afrika fußte.

Geschichte Südafrikas

Südafrika war über 300 Jahre mehrfach von verschiedenen europäischen Mächten kolonialisiert, die sich auf afrikanischem Boden auch zeitweise um die Herrschaft bekriegten. Während der Kolonialzeit ganz Afrikas wurden unzählige Völker ermordet, entwurzelt, gefoltert und versklavt. Neben den Niederländern siedelten auch deutsche, französische, belgische, italienische, spanische und portugiesische Kolonialisten nach Südafrika. Im Jahr 1652 beherrschte die Niederlande Südafrika, im Jahr 1806 übernahm das Vereinigte Königreich die Herrschaft. In der von Otto von Bismarck einberufenen „Kongokonferenz“ im Jahr 1884 trafen sich die europäischen Mächte in Berlin und teilten den gesamten afrikanischen Kontinent unter sich auf, wobei Südafrika dem britischen Königreich zugeteilt wurde. Es kam immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den Briten und den europäischen Einwohner:innen Südafrikas den Buren. Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm schließlich Großbritannien die vollständige Herrschaft über Südafrika und vereinte 1910 die angrenzenden britischen Kolonien als „Südafrikanische Union“. 

Diese Union war der Anfang der sogenannten Rassentrennung Südafrikas, bei der die weiße Vorherrschaft über die afrikanischen Ureinwohner:innen eine neue Form annahm: die Apartheid. Allen nicht-weißen Ureinwohner:innen wurde das Wahlrecht vollständig aberkannt und das „Eingeborenen-Landgesetz“ wurde verabschiedet, welches den Ureinwohner:innen Südafrikas verwehrte, nur den ihnen zugewiesenen Teil des eigenen Landes zu erkaufen, besitzen und bewirtschaften. Mischehen und jeglicher sexuelle Kontakt zwischen Weißen und Ureinwohner:innen wurde verboten und bestraft. Nach dem ersten Weltkrieg wurden die Gesetze verschärft: in den Städten durften Schwarze nur bestimmte Wohngebiete bewohnen, später wurden Schwarze und Weiße in Schulen, Straßen und Busse räumlich getrennt. 1924 wurde die sogenannte „zivilisierte Arbeitspolitik“ entwickelt, nach der alle öffentlichen Arbeitgeber nur noch weiße Arbeitskräfte einzustellen hatten, wodurch die südafrikanischen Ureinwohner:innen in allen Lebensbereichen – ökonomisch wie sozial – sichtlich benachteiligt und unterdrückt wurden. Im Jahr 1948 gewann die Nationale Partei (NP) knapp die nationalen Wahlen, bei denen nur Weiße gewählt wurden. Das bereits etablierte Wahlsystem ermöglichte in den folgenden Jahren, dass die NP, unabhängig von den Wahlergebnissen, bis 1994 immer die Mehrheit der Sitze im Parlament sichern konnte und ihre Machtstellung und damit das etablierte Apartheidsystem aufrechterhalten konnte. Dieses Apartheidssystem wurde offiziell beendet, als Nelson Mandela 1994 zum Präsidenten gewählt wurde.

Nelson Mandela und der African National Congress

Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 in der südafrikanischen Provinz Ostkap geboren und gehörte dem Madiba-Stamm an. 1944 schloss er sich der ältesten und größten Schwarzen Organisation Südafrikas an, dem African National Congress (ANC). 1952 wurde die Defiance Campaign ins Leben gerufen, eine Massenbewegung des zivilen Ungehorsams gegen das Apartheidsystem Südafrikas, bei der Nelson Mandela schnell eine führende Rolle übernahm. Dabei entwickelte er ein Widerstandskonzept gegen die Apartheid, den „Mandela-Plan“. Darin wurden basispolitische und bildungsorientierte Methoden gegen die Apartheid entwickelt. Dafür bekam er ein politisches Betätigungsverbot und wurde für insgesamt 2,5 Jahre gebannt. Das heißt er durfte an keinen politischen Veranstaltungen und Versammlungen teilnehmen und durfte seinen Aufenthalt (Johannesburg) nicht verlassen. Das hielt ihn jedoch nicht ab und er engagierte sich weiterhin politisch und beteiligte sich 1955 am Volkskongress, bei dem die Freiheitscharta des ANC verabschiedet wurde. Darin wurden in 10 Punkten die Forderungen nach Demokratie und Gleichberechtigung aller Einwohner:innen Südafrikas festgehalten. Der zentrale Leitsatz war: „Das Volk soll regieren“.

Für den Apartheidstaat Südafrikas war Nelson Mandela, gemeinsam mit seinen Genoss:innen und anderen Aktivist:innen, ein Dorn im Auge. 156 Südafrikaner:innen wurden des Hochverrats beschuldigt, wegen der Planung eines gewaltsamen Systemumsturzes, und festgenommen. Nach einem 5-jährigen Prozess wurden alle Angeklagten 1961 freigesprochen. Nach seinem Freispruch tauchte Mandela unter und blieb im Untergrund politisch aktiv. 

Der ANC hatte bis Anfang der 1960er Jahre ausschließlich mit friedlichen Mitteln wie Versammlungen, Demonstrationen, Boykotten, Streikaktionen oder gezielten Gesetzesübertretungen gegen die weiße Vorherrschaft gekämpft. Als 1960 unbewaffnete Demonstrant:innen von der Polizei niedergeschossen und ermordet wurden (Massaker von Sharpeville), erklärte die ANC die Notwendigkeit des gewaltsamen Kampfes gegen die Apartheid. Mandela ließ sich im Ausland militärisch ausbilden und schloss sich dem militärischen Flügel des ANC, „Umkhonto we Sizwe“ (dt. Speer der Nation), an und mobilisierte offen für den bewaffneten Kampf gegen die Apartheid. Zusammen mit seinen Genoss:innen des ANC wurde Nelson Mandela im Rivonia-Prozess wegen Sabotage angeklagt. Die Anklagepunkte umfassten unter anderem die Beteiligung an einer „gewaltsamen Revolution“ und die „Förderung der Ziele des Kommunismus“. Im Juni 1964 wurden Mandela und seine Mitangeklagten schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt. Mandela verbrachte insgesamt 27 Jahre im Gefängnis bevor er 1990 freigelassen wurde. Während der letzten Jahre seiner Haft, wurde Nelson Mandela durch die Kampagne für seine Freilassung zu einer Symbolfigur des ANC und der internationalen Anti-Apartheid-Bewegung. 

Nach seiner Freilassung wurde er zur Symbolfigur des Freiheitskampfes Südafrikas. Seine Popularität ermöglichte Verhandlungen mit dem weißen Apartheidsstaat über die Abschaffung der Apartheid. Durch die Verhandlungen von 1991 bis 1994 wurde ein friedlicher Übergang ermöglicht, sodass 1994, während der ersten allgemeinen demokratischen Wahlen, bei denen alle Menschen unabhängig ihrer Ethnie teilnehmen konnten, die ANC zur Regierungspartei mit Nelson Mandela als ersten schwarzen Präsidenten gewählt wurden.

Ende der Apartheid – Ende des Elends?

Mandelas ANC wandelte sich von einer Widerstandspartei zu einer Regierenden. Er ging kritische Kompromisse mit den weißen Herrschern ein und nahm erhebliche Geldsummen von autoritären Regimen und Institutionen an, die eigentlich gegen die Grundprinzipien der ANC sprachen. Trotz einiger Fortschritte in Demokratie und sozioökonomischen Bereichen war der ideologische Wandel enorm. 1996 wurde von Mandelas Programm „GEAR“ für Wachstum, Beschäftigung und Umverteilung eingeführt, welches ein deutlich kapitalistisches und neoliberales Rahmenwerk war. Sowohl Finanzminister Trevor Manuel als auch Präsident Mandela erklärten das Programm für „nicht verhandelbar“, was darauf hinwies, dass sie die oberste Staatsgewalt ausübten.

Obwohl GEAR von vielen fortschrittlichen Organisationen wie den südafrikanischen Gewerkschaften oder der kommunistischen Partei öffentlich abgelehnt wurde, wiesen Mandela und der ANC die Kritik zurück. Das führte dazu, dass die Möglichkeit eines alternativen wirtschaftlichen Weges nach der Apartheid begraben wurde. Die Entscheidung für GEAR markierte einen klaren Bruch mit dem bisherigen demokratischen Massenwiderstand des ANC und verstärkte die Verflechtung im neoliberalen Weltsystem. Die schnelle Umsetzung neoliberaler Wirtschaftspolitik in Südafrika hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die arme Bevölkerung und die Arbeitenden. Maßnahmen, wie die Privatisierung von Dienstleistungen, Landreformen und ein umstrittener Waffendeal mit Deutschland, Großbritannien und Schweden, führten zu Korruption, einer neuen Wirtschaftselite und Unterdrückung jeglicher politischen Opposition. Heute erlebt die Mehrheit der Südafrikaner:innen Arbeitslosigkeit, Elend und Armut, während Wohlstand und Chancen für nur sehr wenige Realität sind. 

Nelson Mandela ist bis heute ein Vorbild im Kampf gegen das Apartheidsystem. Er hat mit der Demokratisierung Südafrikas einen großen Fortschritt erkämpft. Dennoch ist es wichtig zu verstehen, dass kolonisierte Völker erst vollständig unabhängig und frei sein werden, wenn das kapitalistische System bekämpft wird