Juni 17, 2024

Die Nakba und ihre Geschichte

Das palästinensische Volk hat jahrzehntelang Schmerz, Leid und Tod erlitten und einen Preis gezahlt, den nur wenige Völker in der Menschheitsgeschichte je bezahlen mussten. Der Zionismus war und ist das Schlimmste was dem palästinensischen Volk je passiert ist und diese Ideologie manifestierte sich dann in der Staatsgründung Israels am 15. Mai 1948. Dieser Tag gilt für die Palästinenser:innen und für alle die ihre Augen nicht vor Unrecht verschließen als der Tag der Nakba. Nakba bedeutet „Katastrophe“. Das Wort Nakba beschreibt die Vertreibung, Ermordung und den Diebstahl von Land und Besitz des palästinensischen Volkes durch den Zionismus. Die Geschichte der Nakba begann aber schon viel früher. Laut der zionistischen Propaganda gab es kein entwickeltes palästinensisches Volk in Palästina, sondern nur primitive Stämme oder nomadische Gruppen. Zu Beginn der zionistischen kolonialistischen Migration beschrieben sie Palästina als „menschenleer“. Allein das zeigt die Sicht der zionistischen Bewegung gegenüber den Palästinenser:innen. Sie bezeichnen sie nicht als Menschen, sondern als Tiere. Diese Propaganda zieht sich bis in die heutige Zeit, was Unmengen an Aussagen vom israelischen Staatsapparat gegenüber den in Gaza lebenden Palästinenser:innen deutlich zeigen

Außerdem war die Beschreibung Palästinas als leeres Gebiet eine reine Lüge. Allein zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es mehr als tausend Dörfer. Zu dieser Zeit waren Jerusalem, Haifa, Gaza, Jaffa, Nablus, Akko, Jericho, Ramle, Hebron und Nazareth blühende Städte voll mit Natur, Gebäuden mit kunstvollen Verzierungen, Bewässerungskanälen, florierendem Handel und Handwerk. Die Koexistenz der verschiedenen Ethnien und Religionen, von Armenier:innen, die vor dem osmanischen Völkermord flohen bis hin zu Menschen des muslimischen, christlichen und jüdischen Glaubens, verlief bis 1917 überaus friedlich ab. Die zionistische Propaganda beschreibt die Menschen, die dort lebten im Gegensatz zu den aus Europa usw. kommenden Jüdinnen und Juden als rückständig, faul und unzivilisiert. Sie beschreiben die Gebiete als leere Wüste und sie brachten die Zivilisation aus Europa dort hin. Diese erfundenen Erzählungen sind immer noch Bestandteil der erfundenen Geschichte des Staates Israel und der Indoktrinierung der israelischen Allgemeinbevölkerung. 

Der imperialistische Machtapparat hat mit der Balfour-Erklärung im Jahr 1917 die zionistischen Pläne zur Errichtung eines Ethnostaates im Nahen Osten offiziell ins Rollen gebracht. Der Anspruch des Zionismus war viel größer als die Zugeständnisse der Briten und Franzosen, aber im Endeffekt war durch die Errichtung des ersten Staatsgebiets Israels der Grundstein gesetzt, die zionistische Expansion, über kurz oder lang, durchzuführen. Schon vor 1948 wurden die Spannungen zwischen den zionistischen Siedler:innen und der indigenen Bevölkerung größer. Die Siedler:innen bildeten Milizen und Trupps, um Dörfer und Siedlungen der palästinensischen Menschen zu überfallen und zu plündern. Schon zu diesen Zeiten wurden Dörfer durch diese Milizen ausgerottet und vernichtet. Allein vom 29.11.1947, dem Tag der Teilung Palästinas durch die Vereinten Nationen, bis zum 15.05.1948, wurden von 475 Dörfern und Städten der Palästinenser:innen zu diesem Zeitpunkt 385 von der Landkarte gefegt.

Der Tag der Nakba, der 15.05.1948, war zu diesem Zeitpunkt dann der Höhepunkt dieses Widerspruchs zwischen Siedler:innen und der indigenen Bevölkerung. Die Briten zogen sich aus Palästina zurück und mit dem Segen der Kolonialmächte und der Vereinten Nationen bildete sich der Staat Israel. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Zionismus 75% Palästinas erobert und ca. 800.000 Palästinenser:innen auf brutalste Art und Weise vertrieben. Die zionistische Ideologie ist im Gegensatz zu dem „klassischen“ Kolonialismus bzw. deren ideologischer Basis, direkt darauf gerichtet Palästina von der arabischen Bevölkerung zu „säubern“. Diese Politik der Unterdrückung, des Terrors und des Genozids wird seit Anbeginn des Zionismus offen ausgesprochen. Ob es jetzt aktuell die Aussagen von israelischen Politikern und Militärpersonal, wie Ben-Gvir sind oder Aussagen aus der Vergangenheit, wie die von Uri Lubrani, Sonderberater für arabische Angelegenheiten des israelischen Premierministers David Ben Gurion, aus dem Jahr 1960: „Wir werden die arabische Bevölkerung auf eine kleine Gemeinschaft von Holzfällern und Kellnern reduzieren.“

Die Nakba beschreibt über die Vertreibung, den Mord und Raub von Land und Boden durch die israelische Besatzung hinaus, auch die Diskriminierung und unmenschliche Behandlung der arabischen Bevölkerung innerhalb der israelischen Gesellschaft und innerhalb der Gebiete in der Westbank, welche von Israel und seinen Lakaien kontrolliert wird. Der Rassismus innerhalb dieser Gesellschaft ist typisch für Kolonialstaaten, ist in der Gesetzgebung festgesetzt und durch die jahrelange systematische Indoktrinierung in das Bewusstsein der israelischen Öffentlichkeit verankert.

Die Nakba ist ein immer noch andauernder Prozess der Zerstörung und Vernichtung des palästinensischen Volkes. Dieser kann und wird nur durch die internationale Solidarität mit allen unterdrückten Völkern und deren erfolgreichen Widerstand dauerhaft beendet werden und wird zu einer Gesellschaft führen die solidarisch miteinander existieren kann.