Mai 18, 2021

Wenn der Name über die Wohnung entscheidet

Dass der Wohnungsmarkt überlastet ist, ist kein Geheimnis. Zu hohe Mieten, Leerstand, kein sozialer Wohnungsbau sind brennende Probleme. Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund wird auf dem Wohnungsmarkt allein wegen des anders klingenden Namens benachteiligt, so lautet das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage.

Rassistische Wohnungsanzeigen wie „nur mit deutschem Pass“ oder „deutsche Nachbarn“ gehören zum Alltag. Ein Fall landete vor Gericht und der Kläger bekam Recht: Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen schickte Absagen an den Mann mit türkischen Namen. Bei seinem zweiten Versuch verwendete er einen fiktiven deutschen Namen und siehe da, es folgte eine Einladung. Später jedoch, nachdem der Mann im Vermittlungsbüro persönlich erschienen war, wurde ihm mitgeteilt, dass die Wohnung doch bereits belegt sei. Weil der Mann dem Personal kein Glauben schenkte, bat er seinen Freund mit „deutschem Aussehen“ um Hilfe, der dann später genau diese Wohnung bekam. Zudem hatte der Konzern die E-Mail Adresse des Bewerbers gesperrt, so dass diese für ihn nicht mehr erreichbar waren.

Deutsche Wohnen versuchte sich zu rechtfertigen, in dem er auf den Ermessensspielraum der Mitarbeiter in dem Büro bestand. Bei der Auswahl der Mieter würde der Name der Bewerber keine Rolle spielen, man achte lediglich auf eine „gesunde Mischung“ – was auch immer das zu bedeuten hat.

Dieser Fall ist einer von vielen, der den Alltag widerspiegelt. Der Name entscheidet, ein Kriterium ohne Aussage. Rassismus und Diskriminierung sind Produkte dieses Systems, welches uns in Klassen einteilt. Man teilt uns von Anfang an ein und selektiert schon in der Schule. Chancenungleichheit ist die Konsequenz des Kapitalismus. Innerhalb dieses Systems wird keine Gerechtigkeit walten!

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