Juli 14, 2024

9-Euro-Ticket – Überfüllte Züge und noch mehr Verspätungen?

Das 9EuroTicket des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hat Massen an Menschen dazu bewegt, auf Bus und Bahn umzusteigen. Das Ticket wird über den Sommer von Anfang Juni bis Ende August angeboten und wird mit großer Sicherheit die immensen Defizite des deutschen Bus- und Bahnverkehrnetzes noch klarer zum Vorschein bringen.

Es war abzusehen, dass ein 9 Euro Ticket, was den Menschen ermöglicht innerhalb Deutschlands überall mit dem Nah- und Regionalverkehr zu reisen, zu einem Ansturm an Passagier:innen führen wird. Das ist kein Wunder, denn angesichts der steigenden Energie und Kraftstoffpreise scheint dies eine Rettung zu sein. Die Politik verkündete dabei explizit, dass das 9EuroTicket Pendler:innen entlasten solle. Bestehende Semester- und Schülertickets sind während der Aktion deutschlandweit gültig und werden automatisch erweitert. Es sei auch eine Gutschrift in Höhe der Preisdifferenz zwischen dem bestehenden Abo und dem 9-Euro-Ticket geplant. Wie genau die Rückerstattung jedoch ablaufen soll, ist noch unbekannt.

Das Ticket solle außerdem mehr Menschen vom klimafreundlicheren Bus- und Bahnfahren überzeugen – wirft aber ein Schlaglicht auf den generellen Zustand des öffentlichen Personennahverkehrs und die Finanzierung des ÖPNV. Schon im Sommer 2021 stand die Forderung im Raum, das Schienennetz von der Deutschen Bahn zu trennen und zu verstaatlichen, denn die DB bekommt für jeden gefahrenen Kilometer auf ihren Gleisen Geld. Trassenentgelt heißt dieser Betrag und ist europaweit in Deutschland am höchsten. Vor allem im Güterverkehr erschweren die Abgaben an die DB den Wettbewerb zur Straße.

Auch die Modernisierungsarbeiten an den Strecken sind häufig mit Problemen wie Verspätungen und Ausfällen verbunden. Überfüllte Züge sind schon im Normalverkehr ein Teil des Bahnfahrens, der viel Ärger und Stress mit sich bringt. Das 9-Euro-Ticket wird dieses Problem eher verschlimmern als verbessern, denn während die Preise kurzzeitig sinken, bleibt das miserable Verkehrsangebot und -netz dasselbe. Seit Verkaufsstart wurden schon über eine Million Tickets verkauft; täglich werden es mehr. Oberste Polizeigewerkschafter sprachen von einem möglichen Sicherheitschaos und haben sogar schon angekündigt, überfüllte Züge von der Bundespolizei räumen zu lassen. Somit wäre in nächster Zeit auch vermehrte Polizeigewalt vorprogrammiert. 

Auch wenn es aktuell so vermittelt wird, als wäre das 9-Euro-Ticket ein Geschenk der Regierung, wird spätestens am Ende des Sommers die Erkenntnis folgen, dass es sich nur um ein politisches Manöver gehandelt hat, was von den eigentlichen Problemen ablenken soll. Seit Jahren schießen die Ticketpreise in die Höhe und werden es vor allem in der Inflation auch weiterhin. Gleichzeitig bleiben die Defizite im Verkehrsnetz bestehen, während der DB-Vorstand sich regelmäßig Bonuszahlungen in Millionenhöhe ausschütten lässt. Nun braucht es eine organisierte Bewegung, die diese Ungerechtigkeiten auf die Straße trägt, denn radikalere Forderungen wie die Verstaatlichung des Bus- und Bahnnetzes sind für die lohnabhängigen Massen heute zugänglicher denn je.

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