Juli 18, 2024

Arbeitskampf in Solingen – Borbet entlässt 600 Arbeiter:innen

Kurz vor Weihnachten kam die erschreckende Nachricht, dass zum Jahresende 600 Arbeiter:innen ohne Abfindung gekündigt werden, da das Solinger Werk der Firma Borbet schließen wird. Im März letzten Jahres hat das Unternehmen das Insolvenzverfahren eröffnet. 

Als Grund für die Schließung werden die gestiegenen Rohstoffpreise und die Absatzrückgänge in der Automobilindustrie genannt. Im Vergleich zu anderen Standorten sei die Produktion einfach zu teuer. Neben dem Solinger Werk gibt es noch weitere Standorte in Deutschland und im Ausland. Das Unternehmen aus dem Sauerland ist für die Herstellung von Leichtmetallrädern verantwortlich, vor allem in der Automobilindustrie. 

Um Streiks zu verhindern, wurde eine Transfergesellschaft errichtet. Den Beschäftigten blieb bis zum 16. Dezember nur die Wahl zwischen dem Wechsel in eine Transfergesellschaft oder der Kündigung mit einer Frist von maximal 3 Monaten. Die Transfergesellschaft solle, so das Unternehmen, den Arbeiter:innen helfen, eine neue Beschäftigung zu finden und an Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen. In diesem Fall würden sie jedoch 6 Monate lang nur 80 Prozent ihres Lohns erhalten und dafür auf die Rechtsansprüche im aktuellen Arbeitsvertrag verzichten. Währenddessen plante Borbet weiter zu wirtschaften, indem die restlichen 221.000 Räder bis Ende 2022 produziert werden sollten.

Seit dem 25. Dezember haben sich die betroffenen Arbeiter:innen zusammengeschlossen und halten nun schon seit über 2 Wochen eine Mahnwache vor dem Borbet Standort in Solingen ab. Um die 100 Menschen treffen sich hier täglich um 13 Uhr, um gegen die plötzliche Schließung zu demonstrieren. Sie fordern, falls Borbet tatsächlich insolvent sein und damit die ins Werk investierten 60 Millionen Euro zurück erhalten sollte, die Hälfte davon als Abfindung.

Das Bündnis „Genug ist Genug“ hatte am 07.01.2023 zu einer Kundgebung mit 150 Leuten in der Solinger Innenstadt aufgerufen. Unter dem Motto „Jahrzehntelang für den Profit ausgepresst! Nun werden wir auf die Straße gesetzt!“ wurde lautstark demonstriert. Viele haben ihr Leben lang für das Unternehmen gearbeitet und fordern im Falle einer schmerzhaften Schließung zumindest eine Abfindung. Während der Staat in Krisensituationen Großkonzerne mit Milliarden von Steuergeldern unterstützt, sind es weiterhin die Lohnabhängigen die für die kapitalistische Krise zahlen müssen, indem sie mit noch schlechteren Arbeitsbedingungen oder Entlassungen konfrontiert werden. In diesem Sinne spielt der Kampf der Borbet Arbeiter:innen eine wichtige Rolle als Vorbild für weitere bedrohte Belegschaften in Deutschland.