Juli 17, 2024

Das AZ Wuppertal bleibt – Ein Kampf für Alle!

1973 – bundesweit gründen Jugendliche Jugendzentren, nehmen sich diese Freiräume bewusst selbst, warten nicht auf die Erlaubnis vom Staat und besetzen Leerstand. So auch in Wuppertal. Ein Vortrag von Hausbesetzer:innen aus Berlin gab wohl die entscheidende Motivation. Außerdem spielte die damals sehr berühmte Band „Ton Steine Scherben“ in Wuppertal eine Rolle, welche mit der Bewegung in Verbindung gebracht wurde. 

Erste Initiativen wurden in Wuppertal gegründet, weitere Hausbesetzungen fanden statt. Aus einer dieser Besetzungen, die meist schnell wieder geräumt wurden, gründete sich das Autonome Zentrum, welches schließlich in seine heutigen Räumlichkeiten in der Elberfelder Markomannenstraße zog. Die Stadtverwaltung hatte diese Räumlichkeiten zu Verfügung gestellt. Hier hält man aktuell durch Submietverträge die Stellung und sieht keinerlei Grund für einen Umzug. In der Wuppertaler Gesellschaft hat man sich durch verschiedene Angebote etabliert. Ob Konzerte, Bandproben, Sportangebote, die solidarische KüfA (Küche für Alle) gegen Spende oder Kulturveranstaltungen wie Filmvorführungen oder Lesungen.

Dieses Jahr feierte das AZ Wuppertal sein 50-jähriges Bestehen. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Stattdessen hieß das Motto zu den Feierlichkeiten „AZ Wuppertal bleibt an der Gathe“. Gathe ist hier der Verweis auf die große Hauptstraße vor der Haustür. Und genau auf der anderen Seite dieser Straße ist auch der Grund für die gedämpfte Feierstimmung. Eine Moschee von DITIB (Türkisch-Islamische Union der Anstalt), auch bekannt als verlängerter Arm des türkischen Präsidenten Erdoğan. Bisher existierte diese hier auf der anderen Seite für sich, nun will man expandieren und hat daher auch ein Auge auf das Gelände des AZ geworfen. Und die Stadt Wuppertal applaudiert. Trotz der direkten Verbindung zum türkischen Staat und türkischen Faschisten soll der Bau mit DITIB durchgewunken werden. Die politischen Parteien im Stadtrat, allen voran die SPD, befürworten das Projekt. Die enge Zusammenarbeit des deutschen Staats mit dem türkischen Staat wird auch in Wuppertal deutlich, denn obwohl es zahlreiche andere Angebote von Bietenden gab, wurde das Gelände des Autonomen Zentrums bewusst an DITIB übergeben. 

Ein Bürgerbegehren unter dem Namen „Gathe für Alle“ kämpft aktuell noch gegen den Beschluss und ruft Anwohner:innen zu Unterschriften auf, um gegen den politischen Beschluss des Stadtrats vorzugehen und in weiterer Instanz vor das Verwaltungsgericht zu ziehen. Die Stadt versucht sogar aktiv gegen das Bürgerbegehren vorzugehen und setzt Steuergelder der Wuppertaler Bürger:innen dafür ein, ein Gutachten über das Bürgerbegehren zu verfassen, um dieses öffentlich in Frage zu stellen. Bis zum 12.06.2023 sammelt das Bündnis noch Unterschriften und am 13.06.2023 ist die nächste Protestkundgebung vor dem Rathaus in Wuppertal Barmen geplant. Bei diesem Protest geht es jedoch nicht, wie man behaupten könnte, gegen den Glauben von Menschen, sondern die offene Zusammenarbeit Deutschlands und des faschistoiden türkischen Staates. Gleichzeitig reiht sich diese Politik ein in eine Angriffswelle des Staates gegen linke und fortschrittliche Kräfte. Indem antifaschistische und revolutionäre Kräfte Stück für Stück zersetzt werden, soll eine bevorstehende Bewegung gegen Krise und Kapitalismus im Keim erstickt werden.