Juli 18, 2024

Das Geschäft mit den Immobilien – Abseits des Gemeinwohls

Es gibt kaum eine branche in Deutschland, die sich so dem kapitalistischem System unterworfen hat wie die Immobilienbranche. Und dabei ist Wohnen doch ein Gemeinwohl. Jeder Mensch sollte ein Dach über dem Kopf haben. 

In Düsseldorf zeigt sich das perverse Spiel mit Immobilien besonders gut. Vor ein paar Monaten war es noch das Unternehmen Adler-Group, welches Insolvenz anmelden musste und gegen welches inzwischen ermittelt wird. Inzwischen sind zwei weitere Unternehmen dazugekommen. Zuletzt war die Adler-Group auch damit aufgefallen, dass sie in Berlin trotz Zusagen die Mieten drastisch erhöhte. Das Unternehmen steht vor einer Zerschlagung, Leute, die ihr Geld in Anteile an dem Unternehmen gesteckt haben, wollen ihr Geld sehen. 

Die Stadt Düsseldorf ist allerdings an der Entwicklung nicht ganz unschuldig. Über Jahre hat man eine schwarze Null halten wollen und öffentlich damit geworben schuldenfrei zu sein. Sogar eine Uhr, welche eine „schuldenfreie“ Zeit der Kommune darstellen sollte wurde am Rathaus angebracht. Und das, obwohl eine menschengerechte Sozialpolitik in einer Großstadt kaum möglich ist. Wie besessen wurden jedoch Grundstücke abgegeben, an private Investor:innen verkauft, welche das große Spiel der Immobilienhaie begannen und ins Absurde trieben. Grundstücke wurden weiterverkauft, an Tochterunternehmen, an Konkurrenten, hin und her geschoben, bis die Preise so weit in die Höhe schoßen, dass sich nur noch Bauten im Luxussegment auf den Grundstücken lohnen. Bei der Bewertung von Grundstücken wurde soweit übertrieben, dass selbst beauftragte Wirtschaftsprüfer:innen keinen Bericht mehr geben wollten und Kritik äußerten. Das lag auch daran, dass sich das Unternehmen weigerte viele der eigenen Dokumente freizugeben, die für eine Prüfung nötig gewesen wären. Dabei zeigt sich aber auch, dass es wohl vorher ganz normal im Business war, seine Bilanzen zu fälschen und sich mit den Prüfer:innen abzusprechen. Für den Wohnungsmarkt eine Katastrophe. Die 30% Sozialbauten, welche auf solchen Grundstücken gefordert werden, können nicht mehr erbaut werden. Die Grundstückswerte wurden künstlich in die Höhe getrieben. Heute sind die Unternehmen pleite und das Geld oft in den Taschen der Führungsetagen. Und die Stadt kämpft trotz eines massiven Mangels an Wohnraum mit leeren Grundstücken in bester Lage. Lange muss man nicht suchen, um die Folgen zu sehen: Schon wer in den Hauptbahnhof einfährt, sieht eine riesige Brachfläche- das sogenannte „District Central“. Mit dem Rückkaufsrecht ist die Stadt jedoch vorsichtig, da man doch heute in einer schlechteren Finanzlage ist und angesichts der hohen Preise für die Grundstücke und dem Bau darauf eingeschüchtert ist.

Die Rheinische Post berichtete zuletzt, dass 35% des Baulandpotenzials der Stadt, also möglichen Neubebauung in der Stadt, noch zur Adler-Group gehören. Das entspricht 5000 Wohnungen. Nun haben sich die Centrum-Group und Development Partner, zwei weitere Immobiliengiganten aus Düsseldorf, insolvent gemeldet und die Spirale dreht sich weiter. Für den Durchschnitt heißt das: es wird noch teurer.