Juli 15, 2024

Hungerstreik in Köln – Kampf gegen die Geschlechter-Apartheid

Es gab schon immer Völker oder Kulturen, mit denen sich Menschen leichter identifizieren und damit auch solidarisieren konnten. Ein Beispiel in Deutschland ist die Situation mit den „kulturell ähnlichen“ Ukrainer:innen, denen jegliche Hilfe zuteil wurde. Ein Volk, das selten Solidarität erfährt, sind die Afghan:innen. 

Die afghanische Bevölkerung besteht aus so vielen verschiedenen Ethnien, dass es wiederum schwer ist, hier von einem Volk zu sprechen. Paschtunen, Tadschiken, Usbeken, Hazara und viele andere Gruppen leben in einem Land zusammen. Ein weiteres Land, was stets unter dem europäischen und US-amerikanischen Imperialismus leiden musste. Nun herrscht wieder eine afghanische Gruppe – ein Grund zur Freude? Wohl kaum, denn mit den Taliban hat sich die Lage wieder einmal zugespitzt. 

Vor zwei Jahren kamen die islamistischen Gruppen wieder an die Macht und versprachen, sich nur an der Scharia zu orientieren und Frauenrechte sonst nicht weiter zu beschneiden. Doch das Leben von Frauen und Mädchen wurde weiter eingeschränkt. Ihre Bewegungsfreiheit, ihre Teilnahme am öffentlichen Leben und ihr Zugang zum Arbeitsmarkt wurden stark begrenzt. Zuletzt wurden die Schönheitssalons, als einer der wenigen Rückzugsorte für Frauen in der Öffentlichkeit sowie als Ort der Beschäftigung, geschlossen. Der Besuch von Nationalparks und Sportangeboten wurde ihnen untersagt und auch die Ausreise zu Zwecken der Bildung wurde ihnen verboten.

Während die Taliban und auch einige reaktionäre Kräfte in Europa schon wieder Abschiebungen nach Afghanistan fordern, haben sich die Bedingungen im Land keineswegs verbessert. Die wirtschaftliche Lage ist desolat, die Rechtslage ist katastrophal. Doch es regt sich Widerstand. Nach den letzten Entscheidungen der Taliban gab es Proteste seitens der Frauen. 

Was tut die Bundesregierung, die mit ihrem Bundeswehreinsatz 20 Jahre lang zur katastrophalen Lage in Afghanistan beigetragen hat? Bis heute ist nichts passiert. Für 2023 wurde die Unterstützung von 500.000€ für den Aufbau von Frauenhäusern in Afghanistan zugesagt. Dies ist kaum ernst zu nehmen, angesichts der heutigen Situation und den Bedürfnissen der Frauen vor Ort. Betroffene fordern währenddessen unter anderem:

– Anerkennung dass, es sich in Afghanistan um eine Geschlechter-Apartheit handelt, in der Frauen systematisch unterdrückt werden

– Geldhilfen an das Regime sollen eingestellt werden

– Taliban-Funktionäre sollen in die Sanktionsliste der Vereinten Nationen aufgenommen werden

Die Aktivistinnen Tamana und Zamina Pargani – zwei Schwestern, die zuletzt noch gemeinsam in Afghanistan gegen die Taliban auf der Straße demonstriert haben und dafür inhaftiert waren –  haben aus Protest einen Hungerstreik in Köln durchgeführt. Unter dem Slogan „Why is the World silent“ haben sie Aufmerksamkeit für das Thema der afghanischen Frauen gefordert. Um zunächst mehr Unterstützung zu bekommen, haben sie ihren Hungerstreik vorerst abgebrochen. 

Es liegt auf der Hand, dass der Abbruch von Geldleistungen an die afghanische Regierung oder Sanktionen durch die Vereinten Nationen, die im Endeffekt unter dem Einfluss des westlichen Imperialismus stehen, keine Besserung der Lage in Afghanistan zu erwarten ist. Um das Land, die Frauen und schließlich alle ausgebeuteten und unterdrückten Menschen zu befreien, müssen die Arbeiter:innen und Werktätigen des Landes eine konsequente antiimperialistische und antikapitalistische Strategie verfolgen, welche nur durch eine Revolution realisierbar ist. Bis dahin gilt es, weiterhin die Rechte von afgahnischen Geflüchteten und den Menschen vor Ort vor den imperialistischen Interessen des deutschen Staates zu verteidigen.