Mai 19, 2022

Mietfrei durch die Krise?

Einige hochrangige Unternehmen haben aufgrund der aktuellen Lage durch Corona beschlossen, temporär keine Miete zu zahlen.

Dazu zählen H&M, Deichmann und Adidas.
Nehmen wir das Beispiel des letzteren Unternehmens: Adidas machte im vergangenem Jahr fast 2 Milliarden Euro Umsatz. Das kann man nicht gerade mit einem kleinen Familienunternehmen um die Ecke vergleichen, die aufgrund der aktuellen Bestimmungen wochenlang ihr Geschäft nicht öffnen können und um ihre Existenz bangen müssen.

Die Regierung hatte einen vorläufigen Kündigungsschutz erwirkt für alle Mieter, die durch die Corona-Krise in Existenznot geraten könnten. Aber gilt das auch für große Unternehmen?

Am Wochenende gab es bereits unter dem Hashtag #AdidasBoykott großen Protest im Netz.

Bei Adidas selbst ist man von er Protestwelle überrascht. Man habe „nicht entschieden, die Miete für den Monat April nicht zu bezahlen“. Vielmehr gehe es „um eine Stundung, wie im neuen Gesetz der Bundesregierung vorgesehen“. Außerdem stünde man mit den Vermietern der insgesamt 26 Geschäfte in Deutschland, welche die Anordnung betrifft, „in engem Austausch“. Es handele sich dabei“ in der Regel um große Immobilienvermarkter und Versicherungsfonds“, die „für diese Maßnahme Verständnis gezeigt“ hätten, laut eines Sprechers von Adidas. Vier private Vermieter hingegen sollen ihre Miete für April wie gewohnt erhalten.

Die Ankündigung der Unternehmen wird weitreichende Folgen haben und es ist nicht unwahrscheinlich, dass andere finanzstarke Unternehmen nachziehen.

Die Maßnahmen, die von der Bundesregierung als Hilfe für in ihrer Existenz bedrohten Mieter beschlossen wurden, klingen zwar zunächst ganz nett, aber das heißt noch lange nicht, dass man dann nicht später nach der Pandemie noch wegen Mietrückstand gekündigt wird. Dazu kommt, dass der Vermieter bei einer Stundung der Zahlung, Verzugszinsen verlangen kann, die aktuell bei vier Prozent liegen.

Mietfrei mit Kündigungsschutz durch die Krise hört sich zunächst verlockend an, der Schuldenberg wird aber früher oder später den privaten Mieter einholen; wohingegen finanzstarke Unternehmen wie Adidas und Co. auf Rücklagen zurückgreifen und tatsächliche Unterstützung der Regierung erwarten können.

#update 1.4.2020: Adidas erklärte in einem offenen Brief, dass ihre Ankündigung der Mietstundung von vielen als „unsolidarisch empfunden“ wurde und kündigte an, die Miete nun doch zu zahlen.

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