Juli 14, 2024

„Die Monster sind nicht die kranken, es sind die gesunden Söhne des Patriarchats“

So schrieb Elena Cecchettin in einem offenen Brief in der italienischen Zeitung Corriere della Sera nach der Ermordung ihrer Schwester Giulia Cecchettin durch ihren Ex-Freund. Giulia galt seit einigen Tagen als vermisst, ehe sie tot aufgefunden wurde. Ihr Ex-Freund wurde auf der Flucht in Deutschland in Arrest genommen. Nachdem er in der Öffentlichkeit als Monster und Einzelfall dargestellt wurde, wies sie darauf hin, dass das Problem gesellschaftlich sei. Weiter sagte sie:
(…) sagt es jenem Freund, der die eigene Freundin kontrolliert, sagt es dem Kollegen, der andere Passantinnen catcallt, schreitet ein bei ähnlichem in unserer Gesellschaft akzeptiertem Verhalten, welche nichts anderes als die Vorzeichen eines Femizids sind.

Der Femizid ist ein Mord durch den Staat, weil der Staat uns nicht schützt. Der Femizid ist kein leidenschaftlicher Mord, der Femizid ist ein Mord der Macht!ihre Schwester, sie forderte stattdessen eine kulturelle Revolution! Macht keine Schweigeminute für Giulia, verbrennt stattdessen alles!

Es war der 83. Femizid in Italien 2023.
In Deutschland sind wir bei Femizid Nummer 99, das Jahr 2023 ist noch nicht vorbei. Im Jahr 2022 gab es in Deutschland 118 Femizide. Mit anderen Worten, an jedem 3. Tag wurde ein Femizid begangen.
In den Medien werden die Morde nicht als das benannt, was sie sindFemizide. Ein Femizid ist das Töten einer Frau aufgrund ihres Geschlechts. Es ist ein Produkt des kapitalistischen, patriarchalen Systems, das auf Privateigentum basiert. Diese Benennung ist wichtig, um Aufmerksamkeit dafür zu schaffen, dass diese geschlechtsspezifische Gewalt an Frauen überall auf der Welt existiert und fester Bestandteil dieses Systems ist. Damit es dann, wie z.B. in lateinamerikanischen Ländern, einen Aufschrei gibt und sich die Frauen wehren und erheben.