Juli 12, 2024

Erneut Proteste in Syrien

In Syrien ist es zuletzt wieder zu Protesten gekommen. Diese konzentrieren sich vor allem auf den Süden des landes, auf die Städte Suweida und Daraa. Die Proteste sollen sich aber auch schon auf andere Teile Syriens ausgeweitet haben, wie z.B. in der Hauptstadt Damaskus und auch in der Küstenstadt Latakia, welche eigentlich eine Hochburg der Alawiten ist, eine religiöse Gruppe zu der auch der syrische Diktator Assad gehört. Auch in Idlib im Norden des Landes, was aktuell nicht von der Assad-Regierung kontrolliert wird, kam es zu Demonstrationen. Es fanden Streiks, Demonstrationen, Blockaden von Straßen und Regierungsgebäuden sowie Angriffe auf Assad-Proträts statt

Auslöser sind die zunehmende wirtschaftliche Krise und die Engpässe bei der Versorgung. Nach 12 Jahren Krieg ist die Wirtschaft erheblich geschwächt und steigert die ohnehin schon vorhandene Armut. Durch die Zurücknahme von Subventionen gab es einen starken Anstieg der Kraftstoffpreise und ein Fortschreiten der Korruption, was zu starker Unzufriedenheit geführt hat; selbst in den Teilen Syriens, die bisher zurückhaltend wirkten.

Vor allem Suweida liegt seit Wochen im Fokus der Unruhen. Die Stadt ist bekannt für ihre große drusische Community, eine der Minderheiten im Land. Die Region blieb in dieser Zeit größtenteils verschont. Seit Beginn des Krieges 2011 haben dort zehntausende Männer den Militärdienst verweigert.  Sie galten bisher jedoch nicht als besonders regierungskritisch, da Assad in der Vergangenheit oft behauptet hatte, er sei der Beschützer der Minderheiten im Land. Umso härter trifft ihn aktuell die Protestwelle der Minderheiten. Demonstrierende verschlossen mehrmals die Türen von Büros der Baath-Partei. Unterstützt werden die Protestierenden durch lokale Geistliche und Beduinen. Letztere waren bisher eher als Gegner der Drusen aufgetreten. Umso überaschender war der Besuch einer Delegation der Beduinenstämme und die Solidarisierung.

Eine Reaktion seitens Assad steht noch aus, zumindest dort, wo die Drusen leben. Die Region um Suweida genoss immer eine Art Autonomie. In anderen Landesteilen wurden Proteste nur bedingt zugelassen. Inzwischen werden wieder die Forderungen nach einem politischen Machtwechsel laut. Die Proteste lösten nicht nur bei den in Syrien lebenden Syrer:innen eine Welle der Hoffnung aus, sondern auch weltweit bei den Syrer:innen in den Flüchtlingscamps. So gab es auch in Bochum und Düsseldorf Solidaritätskundgebungen ihrer in NRW lebenden Landsleute.