Juli 12, 2024

Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in der Türkei und Syrien

Es ist nun ein Jahr her seit dem katastrophalen Erdbeben in der Türkei und in Syrien. Millionen von Menschen waren und sind von den verheerenden Folgen betroffen. Über 56.000 Menschen kamen ums Leben und viele wurden obdachlos. Die WHO sprach von einer Jahrhundertkatastrophe, von der rund 13,5 Millionen Menschen in der Türkei und 9 Millionen Menschen in Syrien betroffen waren. Dabei bleibt die Dunkelziffer unbekannt. Viele Menschen blieben vermisst und unter den Trümmern. Am ersten Jahrestag des Erdbebens fanden jedoch in vielen Städten Kundgebungen und Proteste in der Türkei statt. In der Stadt Maraş betonten sie „Kein Vergessen, kein Vergeben, kein Verzeihen!“ und gedachten derer, die bei dem Erdbeben ihr Leben verloren. In Antakya, Maraş, Adıyaman, Malatya, Kilis, Osmaniye, Adana, Antep, Diyarbakır und Urfa fanden um 04:17 Uhr, als das Erdbeben vor einem Jahr stattfand, Gedenkveranstaltungen statt. Die Proteste wurden im Laufe des Tages fortgesetzt.

Tausende von Menschen versammelten sich um 11:00 Uhr in Samandağ und liefen mit Slogans, Liedern, Fotos und Transparenten zum Marktplatz. Während des Marsches wurden Slogans wie „Dies ist keine Katastrophe, dies ist ein Massaker!“, „Der Tag wird kommen, die Zeit wird sich wenden, die AKP wird sich vor dem Volk verantworten!“, „Vergessen, Verzeihen, keine Vergebung!“ gerufen.

In Malatya veranstaltete die Plattform 6. Februar trotz des Verbots einen Schweigemarsch. Dabei wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Schweigender Schrei!“ getragen.

In Antakya wurde ebenfalls eine Demonstration organisiert. Zahlreiche Vertreter:innen von politischen Parteien, demokratischen Massenorganisationen, Gewerkschaften und Berufsverbänden nahmen an dem Marsch teil und trugen Transparente mit der Aufschrift „Kein Vergessen, kein Vergeben“ und „Wir werden Hatay wiederaufbauen“.

Bei der Verlesung der Presseerklärung im Namen der Plattform 6. Februar sagte Ece Doğru, dass die Erdbeben vom 6. Februar ihr Leben auf den Kopf gestellt hätten. Doğru wies darauf hin, dass eine Naturkatastrophe durch Fahrlässigkeit in eine Katastrophe verwandelt wurde und betonte, dass ihr Schmerz noch so frisch sei wie am ersten Tag. Die Menschen leben weiterhin auf der Straße und das unter unhygienischen Bedingungen. Es kommt dabei immer wieder zu Wasser- und Stromausfällen.

Ein Redner der Plattform für Arbeit und Demokratie von Urfa erklärte:

„Die alleinige Verantwortung für diese große Zerstörung kann nicht allein den Bauunternehmern aufgebürdet werden, die vor Profitgier schwindeln und versuchen jeden Quadratmeter Land zu verpachten. Denn diejenigen, die diese Gier nähren und wachsen lassen, sind diejenigen, die wirklich verantwortlich sind. Sie sind diejenigen, die ein Rechtssystem aufgebaut haben, welches unfähig ist Kontrollen durchzuführen, wirksame Sanktionen zu verhängen und die Verfahren vorschriftsmäßig abzuwickeln.“