Oktober 27, 2021

Geld für Beratung eines Sklavenbetreibers

Dass es schon seit Jahren zu Missständen in Schlachtereien kommt, ist längst kein Geheimnis mehr. Seit dem jüngsten Skandal um den Schlachtkonzern Tönnies steht fest, dass sich hinter der profitorientierten Fleischindustrie ein ganzes System an Ausbeutung und Entwürdigung verbirgt. Eine erste Regulierung der Branche begann 2014, indem die Industrie ins Arbeitnehmerentsendegesetz aufgenommen und ein tariflicher Mindestlohn vereinbart wurde. Ein Beweis dafür, dass es sich bei den Schlachthöfen von Tönnies um moderne Sklaverei handelt, sind die sogenannte Werkverträge, die 80 Prozent der Arbeitsverhältnisse ausmachen. Durch Werkverträge wird Arbeitern der Anspruch auf gleichen Lohn oder gar eine Festanstellung genommen.

Nach dem Skandal der hohen Corona Fallzahlen auf den Schlachthöfen, den schäbigen Unterkünften und miesen Arbeitsbedingungen für Arbeiter aus Osteuropa, versprach Bundesarbeitsminister Hubertus Heil aus der SPD ein Gesetz, das diese Werkverträge verbieten soll. Auch von anderen SPD-Politikern hört man in letzter Zeit im Zusammenhang mit Tönnies. Der ehemalige Bundesminister Sigmar Gabriel wurde nun jedoch als zeitweiliger Berater von Clemens Tönnies enttarnt. Bei Berufspolitikern und vor allem in der selbsternannten „Arbeiterpartei“ SPD ist dieser korrupte Typus alles andere als eine Ausnahme. Man erinnere sich an Gerhard Schröder.

Gabriel ist seit März 2020 für den Konzern als Berater im Rahmen von drohenden Exportproblemen im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest tätig gewesen. Dafür habe er ein Honorar von 10.000 Euro im Monat sowie ein zusätzliches vierstelliges Honorar für jeden Reisetag erhalten. Das ironische daran ist, dass der ehemalige Vize-Kanzler 2005 die Werkverträge noch als „Schande für Deutschland“ bezeichnet und Arbeit unter gesundheitsgefährdenden Bedingungen für Dumpinglöhne kritisiert hat.

Diese Politiker sind lediglich Spiegelbilder unserer kapitalistischen Gesellschaft. Gabriel erklärte jetzt, dass er seine Arbeit als Berater für den Milliardär beendet habe und seine vergangene Tätigkeit kein Problem für seine zukünftigen sei. Die ungezügelten Freiheiten der kapitalistischen Unternehmen und der Berufspolitiker in diesem System, gehen wieder einmal zulasten der Beschäftigten, die weiterhin ausgebeutet und entwürdigt werden.

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