Juli 18, 2024

Heute vor 55 Jahren: Der Bundeskanzler wird geohrfeigt

Heute vor 55 Jahren musste der damalige Bundeskanzer Kurt-Georg Kisesinger einstecken. Beate Klarsfeld kletterte am 7. November 1968 auf das Podium in der Berliner Kongresshalle, schlug dem ehemaligen ranghohen NSDAP-Mitglied Kiesinger ins Gesicht und rief „Nazi“

Für diese Aktion sollte sie zunächst ins Gefängnis, wurde aber dafür von vielen Menschen in der Bevölkerung gefeiert. Sie und ihr Mann Serge machten es sich zur Aufgabe, auf ehemalige Nazis aufmerksam zu machen und nahmen sich vor, diese zu bestrafen. In verschiedenen Artikeln für die französische Zeitung Combat verurteilte Klarsfeld Kiesinger für seine weiterhin hohe Beliebtheit bei der rechten Szene. Auch wurde sie berühmt für ihren Zwischenruf am 2. April 1968 im Bonner Bundestag von der Besuchertribüne „Nazi, tritt zurück!“.

Auch wenn immer wieder von einer „Entnazifizierung“ gesprochen wurde, wurden die Ideologie des Faschismus und seine Anhänger nie aus dem deutschen Staatsapparat entfernt. Nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland wurden zahlreiche NSDAP-Mitglieder an verschiedensten Stellen des Staates erneut integriert. Klarsfelds Reaktion spiegelte die Empörung vieler Menschen über diese Tatsache wider. Auch heute ist bekannt, dass rechtsgesinnte und faschistische Menschen weiterhin in staatlichen Behörden, allen voran der Polizei tätig sind. Dies gehört zur Natur des kapitalistischen Systems. Eine tatsächliche Entnazifizierung und Zerschlagung des Faschismus würde aus diesem Grund nur mit der Zerschlagung des gesamten Staatsapparates einhergehen.