Dezember 8, 2021

Höhere Ticketpreise für öffentliche Verkehrsmittel

In Zukunft soll das Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln teurer werden. Die Preissteigerungen, bis zu 5,5 Prozent, kann je nach Verkehrsbund unterschiedlich ausfallen. Eine Antwort auf die Frage, wie erhöhte Preise die öffentlichen Verkehrsmittel attraktiver machen und somit die Zahl der Fahrgäste steigern sollen, haben die Verantwortlichen jedoch nicht parat. 

Angesichts der sich verschärfenden Klimakatastrophe ist diese Taktik als Eigentor auf dem Weg zu einer Verkehrswende zu bewerten. Der Individualverkehr mit dem Auto, der ja sowieso reduziert werden muss, stellt aber angesichts der aktuellen Benzinpreise ebenfalls keine günstige Alternative dar. Begründet werden die Preissteigerungen mit erhöhten Kosten und weggebrochenen Einnahmen vor allem durch und während der Corona Pandemie. Die bislang durch Rettungsschirme ausgeglichenen Einnahmeneinbußen fallen nun weg: Die Kosten muss jemand anderes bezahlen.  

Die Leidtragenden sind also gerade diejenigen Menschen, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind – wenn sie denn eine vernünftige Bahn- oder Busverbindung zur Verfügung haben. Die Preissteigerung wirkt sich also nicht nur auf die CO2-Bilanz, sondern auch auf die Geldbeutel der meisten Arbeiter:innen negativ aus. Vor allem Menschen im Niedriglohnsektor und Arbeitslose leiden unter den steigenden Ticketpreisen. Die RechnungWer wenig hat, kann auch wenig sparensollte bereits in der Grundschule nachvollziehbar sein. Das bedeutet, dass mehr Geld an anderer Stelle gespart werden muss, um sich die Fahrten zur Arbeit oder sonstigen Erledigungen leisten zu können.

Was also tun?

Die bittere Pille zu schlucken kommt nicht in Frage. Denn es ist genügend Geld vorhanden; es wird nur an der falschen Stelle ausgegeben. Wenn Geld für Aufrüstung, für die Rettung von Großkonzernen und für Millionengehälter von Bahnmanager vorhanden ist, wieso sollten dann die Fahrgäste mehr zahlen? Die logische Antwort muss also Organisation und Widerstand gegen die Profitlogik öffentlicher Güter sein. Es existieren in verschiedenen Städten bereits Initiativen, die sich dagegen wehren. 

Ein Blick auf Chile kann auch größere Visionen dieser Debatte aufzeigen. Dort haben 2019 die Fahrpreissteigerungen zu Revolten und Organisierung der Bevölkerung geführt, die nicht nur die Mobilität, sondern grundlegend die soziale Gerechtigkeit zu ihrem Anliegen gemacht hat. Die soziale Bewegung führte schließlich sogar zu einem durchgeführten Referendum und zu einer neuen Verfassung, welche die Alte aus der Zeit der Diktatur ersetzen soll. 

Chile ist nur ein Beispiel, welches lehrt, dass die Kosten für Mobilität einen Großteil der Bevölkerung betreffen und somit ein hohes Mobilisierungspotential haben. Die Lehre, die daraus aber gezogen werden muss: Soziale Probleme dürfen nicht einzeln betrachtet werden, sondern müssen als Konsequenz des kapitalistischen Systems verstanden und bekämpft werden.

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