Januar 22, 2022

Weberaufstand in Lyon – die Anfänge des Klassenkampfes

Juni 1830: Der König wurde gestürzt, aber die Arbeiter:innen folgten der bürgerlichen Politik nach und der Kapitalismus war immer noch das herrschende System. 

Frankreich lag wegen der Französischen Revolution und dem damit einhergehenden Wiederaufbau der politischen Verhältnisse, der sogenannten Restauration, in der Industrialisierung weit zurück – die Konkurrenz mit den Nachbarländern wurde aufgrund ihrer wachsenden Billigproduktion immer stärker. 

Die Unternehmer reagierten mit der Entlassung von Arbeiter:innen und Lohnkürzungen, um der Konkurrenz entgegenwirken zu können. Zudem wurde die Technik um Webstühle gemindert, um die Arbeit in Werkstätten einzudämmen und somit die Massenproduktion durch Maschinen voranzutreiben. 

Die Arbeitslosigkeit und der Zustrom von Menschen vom Land verschlimmerten die Situation. Das traf besonders die Industriestadt Lyon.

Die Stimmen der Arbeiter:innen wurden immer lauter. Die Forderungen der Arbeiter:innen nach einem Vertrag für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen wurden an die Behörden herangetragen

Erst nach monatelangen Verhandlungen, am 25.10.1831, kam es schließlich zu einem Vertrag mit den Statthaltern.

Dennoch hingen die Löhne von den Fabrikanten ab, denn das Recht auf Mitbestimmung lag nicht bei den Arbeiter:innen, sondern bei den Maschinenbesitzern. Der Druck seitens der Regierung und der Unternehmer wuchs, sodass die Statthalter den Vertrag für unverbindlich erklärten.

Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Die Arbeiter:innen versammelten sich am 21.November 1831 zu einem bewaffneten Arbeiteraufstand. 

Der Versuch der Nationalgarde, den Aufstand zu zerschlagen, mißlang. Die Arbeiter:innen umzingelten und entwaffneten diese und zwangen sie zum Rückzug. Außerdem bestand die Nationalgarde zu einem großen Teil aus Arbeiter:innen, was zu der Schwächung der Garde führte, da sich die Arbeiter:innen auf die Seite des Aufstands stellten.

Zum ersten Mal stand eine Industriestadt unter der Macht der Arbeiter:innen. Die Ziele wurden erreicht – aber was nun? Es war keine Organisation oder Struktur vorhanden, die diese Lage politisch stabilisierte. Der Versuch, eine Selbstverwaltung zu organisieren, erhielt nicht genug Rückhalt. Die instabile Lage ermöglichte der Armee in die Stadt zu ziehen. Die alten Verhältnisse wurden wiederhergestellt und als Vorsichtsmaßnahme wurden alle Arbeiter:innen in der Nationalgarde entlassen und es durften keine neuen aufgenommen werden.

Die Arbeiter:innen erkannten, dass einfache Schlachten nicht ausreichen. Stattdessen benötigt man eine beständige Organisation der Arbeiter:innen und eine eigenständige Politik.

Bis heute sind Arbeitslosigkeit, niedrige Löhne und prekäre Arbeitsbedingungen noch aktuell. Besonders verstärkt tritt dieses Phänomen bei den Wirtschaftskrisen auf – auch die jetzige, die unter anderem durch die Corona-Pandemie hervorgerufen wurde. Eine Organisierung der Arbeiter:innen ist bei dem Kampf gegen den Kapitalismus und für eine gerechte Gesellschaftsordnung unabdingbar.

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