Juli 17, 2024

Italien 1924 oder 2024? Hunderte gestreckte Arme in Rom

Hunderte von Männern halten den rechten Arm mit der flachen Hand ausgestreckt und der laute ZurufPresente“ („anwesend“) schallt nach dem Aufruf „Für alle Gefallenen“ durch die Straßen Roms. Nein, das ist nicht 1924, das ist Italien im Jahr 2024. Auf einer Gedenkveranstaltung für drei getötete Millitante des Movimento Sociale Italiano, einer neofaschistischen Nachfolgebewegung von Italiens einstigem Faschistenführer und Diktator Benito Mussolini, kam es genau zu genannten Szenen. 

Beim sogenannten „Massaker von Acca Larenzia“ sollen am 07.01.1978 zwei Neonazis von linken Militanten getötet worden sein. Eine dritte Person kam dabei in den folgenden Ausschreitungen mit den Ordnungskräften um. In Ermittlungen wurden später Militante der revolutionären Linken, sowohl der Roten Brigaden als auch der Lotta Continua, des Mordes beschuldigt.

Ein Staat, der sich oft rühmt, aus einer Bewegung des Antifaschismus gegründet worden zu sein, lässt ein solches faschistisches Spektakel zu. Das ist nicht verwunderlich, denn Meloni, die aktuelle Ministerpräsidentin Italiens, war 2008 noch selbst auf dieser Veranstaltung präsent, mit derselben Fahne mit keltischem Kreuz im Hintergrund. Auch dieses Mal haben Regions- und Stadtpolitiker an den Gedenkveranstaltungen teilgenommen. 

Aufgelöst wurde die unangemeldete Versammlung nicht, wie es in Italien bei sonstigen Demonstration schnell die Regel ist. Auch mit Ingewahrsamnahmen verfährt der italienische Staat sonst eigentlich sehr gut. So wurde zuletzt ein Mann wegen seines Ausrufs „Es lebe das antifaschistische Italien“ in der Oper festgenommen. 

Auch wenn in Italien heute Faschistenführer wie Mussolini und auch der Faschismus selbst vergleichsweise weniger kritisch betrachtet werden, ist die aktuelle Entwicklung unter der rechten Regierung ein klares Warnsignal für die lohnabhängige Bevölkerung und alle demokratisch gesinnten Menschen Italiens. Wie bereits in unserem Artikel über den rechten Wahlerfolg in den Niederlanden genannt, reiht sich auch die Rechtsentwicklung in Italien dem allgemeinen Rechtruck in Europa im Rahmen der fortwährenden kapitalistischen Krise ein. Welche Ausmaße diese antidemokratische und antirevolutionäre Radikalisierung annehmen wird, wird vor allem vom Organisationsgrad der kämpfenden lohnabhängigen und werktätigen Massen gegen das System abhängen.